Wildes Denken und Nachtfahrten

Edit: Dieser Blogbeitrag wurde anlässlich des Metalabor 11 in Villmar geschrieben. Der Text dient als Grundlage für ein experimentelles „Dunkelvideo“.

Vier Gramm wiegt der Zucker, sage ich, so sagt es die Waage, die nicht besonders genau ist. Was steht denn drauf auf dem Zucker, fragt sie. Öhm. Nichts oder Saint Louis. Die Packung ist so ein typisches, kleines Papierröhrchen wie man es portionsweise in Cafés in Rewe- oder Edekamärkten mitnehmen kann. Mit ihren brillianten Augen beäugt sie das Päckchen, steht nichts drauf. Hat kein Gewicht.

Vertrauen wir der Waage, die beim Auflegen eines einzelnen Salzstängleins immer noch Null anzeigt? Die beim Auflegen einer Packung Nudeln, auf der 500 Gramm geschrieben steht 560 anzeigt?

Wischiwaschitage. Längst wollte ich die Radreise ans Ende der Nacht aus den Archiven hervor gekramt haben und einen Film geschnitten haben. Aber immer, wenn ich einen Anlauf nehme, das Ton- und Video- und Bildmaterial zu sichten, überwältigt mich die Fülle, übermannt mich eine silberne Müdigkeit, verlässt mich der Mut, ermatte ich, könnte ich eine Reise in die Nacht, also nicht etwa eine Reise in die Nacht mit dem Fahrrad, sondern eher eine Reise in den Schlaf auf dem hauseigenen Sofa oder woanders wo sichs gut liegen und träumen lässt. Ein sicherer Ort, um sich aufzulösen und das strenge Konstrukt der Taggedanken, die einem stets logisch und unabwendbar notwendig erscheinen, abzustreifen. Im Schlaf kann ich dem Hirn genehmigen, dass es alles Gedachte in Einzelteile zerlegt. Die Teilchen chaotisch ausbreitet. Die Freuden des Traums hochleben lässt. Denke wild und unbewusst.

Alles was ich über die Nacht weiß, habe ich im Traum gelernt.

Die Videos sind auf mehrere Verzeichnisse auf verschiedenen Datenträgern verteilt, was es nicht einfach macht, sie zu sortieren. Der Kern der Mission lautete: Durchradele die Nacht. Der erste Versuch liegt ein paar Jahre zurück. Nordwärts auf dem Glan-Bliesradweg. Gut ausgebaute Bahntrasse. In Kirn ein später Einkauf kurz vor Einbrauch der Dunkelheit. Zu dem Zeitpunkt habe ich fast 100 Kilometer in den Beinen. Der ursprüngliche Plan, zum Mittelpunkt von Rheinland-Pfalz zu radeln, scheiterte am Mut, den Hunsrück zu erklimmen und am Einbrechen der Dunkelheit. Nach dem Einkauf trete ich den Rückwrg an. Per Fahrrad in die Nacht. Das war mein erster Kontakt mit der Nacht. Auf der ehemaligen Bahntrasse kaum Verkehr. Trotz Ortskenntnis irre ich umher. Stark eingeschränkter Sehsinn im schmalen Lichtkegel des Dynamolichts. Die Radwegehinweisschilder hängen oberhalb des Lichtkegels. Aus dem Wald spiegeln die Augen der Wildtiere, wenn sie der Lichtkegel trifft. Stille und Geräusche, die man tags nicht hört, weil der Verkehr sie überlärmt und solche, die man tags nicht hört, weil sie nur nachts passieren. Fahrradkette surrt und etwas knackt. Täusche ich mich, oder bin ich tatsächlich mehr Ohr als sonst?

Wie man eine Banane schält bei vollkommener Finsternis, wie es sich anhört, wenn man die Schale abzieht, wie sich das haptisch … äh anfühlt … ach, die Banane überhaupt erst einmal zu finden im Reisegepäck. Hatte ich sie mit Expander auf dem Heckträger festgeklemmt? Ist sie in dieser Packtasche? Oder in der anderen? Hätte ich bloß vor Einbruch der Dunkelheit … Mittlerweile sind einige Monate oder gar ein Jahr vergangen seit der ersten Nachtfahrt und ich sollte wissen, dass es gut ist, vor Einbruch der Dunkelheit zu wissen, wo die Kopflampe im Gepäck ist, denn sobald das Radel steht, versiegt das Licht des Dynamos, steht man, bis eben noch von der Ohnehin-nur-Funzel geblendet da und hat nur noch Ohr und Tastsinn und die Nase allenfalls.

Bananen sind elementarer Bestandteil der schnellen Radreisenahrung zwischendurch. Wenn die Schenkel schmerzen und es an Isotonen mangelt, esse ich sie. Oder kurz vor Anstiegen. Die hier am Rhein-Rhône-Kanal zum Glück nicht zu erwarten sind. Ab und zu gehts ein paar Meter eine Schleuse hinauf. Jenseits von Straßburg führt der Radweg schnurgerade Richtung Basel. Die unheimlichen Sportgelände südlich der Großstadt mit ihren Fußballabendgebolzen und das Skateboardklappern eines hell erleuchteten Skategeländes liegen hinter mir. Für wenige Kilometer bin ich guten Mutes, bis ans Ende der Nacht radeln zu können. Doch es ist noch nicht einmal zwölf Uhr. Hintern und Beine schmerzen. Banane finden, Lampe finden, weiter radeln, anhalten, ermüden, wenn ich einschlafe im Sattel, jaja, das geht tatsächlich, stürze ich in den Kanal, der nur einen Meter neben dem Radweg verläuft. Bei einem Picknickplatz baue ich das Zelt auf. Eine Stange bricht. Ich kann das reparieren. Ich schlafe löchrig, aber ich schlafe.

Hat je ein Mensch das Ende der Nacht erreicht? Und wenn ja, gelangte er zu einer Erkenntnis?

Monate später im unendlich heißen Hochsommer 2026. Die Uhr zeigt 19:37 am übelsten Bahnhof jemals, Pirmasens-Nord. Ich habe den Umstieg verpasst. Ein Blick in die Bahnapp zeigt, dass es ohnehin ein Wunder war, die 25 Kilometer ab Zweibrücken mit dem Zug zu fahren. Alles rot von ausfallenden Verbindungen, bis auf diese eine, die mich 19:37 nach PS-Nord brachte. Also gehts ab hier los über die Südpfalz-Radwege nach Hinterweidenthal, wo ich eigentlich hätte aussteigen wollen, wenn der Anschluss geklappt hätte. Ich schaffe die 15 Kilometer in 40 Minuten. Schwinge mich auf den Radweg nach Süden, erwische einen spät offenen Pennymarkt in Dahn, kaufe einen Bund Bananen, Cola, Konserve und ein Bier, falls ich doch irgendwo übernachten sollte und ein Feierabendbier haben möchte. Die Strecke durchs Elsass in die Schweiz kenne ich in- und auswendig. Am Radel sind alle Akkus geladen. Das Licht brennt. Die Nacht senkt sich. Dieses Mal könnte es klappen. Die unsägliche Hitze tagsüber von fast 40 Grad, zwingt einen förmlich, in die Nacht auszuweichen. Etwa 300 Kiometer liegen vor mir. Also schon einmal genug Strecke. Selbst wenn ich sehr schnell bin und keine Pause mache, werde ich die 300 Kiometer in den nächsten Stunden nicht aufbrauchen können. Gegen vier oder fünf Uhr ist der Spuk vorbei, werde ich es geschafft haben. Nächster Stopp Lembach. Ich radele auf der Straße. Das einzige Auto, das mich überholt, fährt langsam an mir vorbei. Scheibe geht runter und eine Frauenstimme sagt Piste Cyclable. Ansonsten herrscht zu dieser späten Stunde absolute Stille, einzig gebrochen von Froschquaken hie und da und Grillenzirpen und natürlich Ketten surren und Stoßatem-Atemgeräusche, doch das nehme ich nicht wahr. In Lembach fülle ich die Trinkflaschen an einem der drei Trinkwasserbrunnen, wie auch in Soufleweihersheim bei einem Wasserhahn am Kanalhafen kurz vor Straßburg. Bin zuversichtlich, dass wenn ich den Meilenstein Straßburg durchqueren kann, ich es dieses Mal bis ans Ende der Nacht schaffen kann. Die Aussicht auf Hitze, die mich am nächsten Tag garantiert aus den Socken hauen wird, ist unheimlich motivierend, wach zu bleiben. Straßburg zu durchradeln ist einfach. Es gibt jedoch dieses eine Stückchen Radweg nur etwa 300 Meter lang, sehr schmal, das durch eine besonders unheimliche Gegend führt. Wenn ich in Straßburg nachts Radreisende ausrauben wollte, würde ich das dort tun. Ihnen den Weg versperren, sie zum Anhalten bringen, ihnen das Messer in die Nase stecken und ihnen unmissverständlich klar machen, dass sie Geld und Handy abgeben sollen. Ich überlege, was ich tun würde, sollte das tatsächlich passieren. Die Kreditkarte habe ich vorsorglich schon aus dem Geldbeutel genommen. Das Handy würde ich vielleicht in hohem Bogen in den Kanal direkt neben dem Radweg schleudern. Schwer zu sagen, was man tun würde, wenn man ein Opinel in der Nase stecken hat.

Wie schon öfter, geht es gut. Nie war ich so spät wie in dieser Nacht an dieser Stelle. Niemand lauert mir auf. Ich fotografiere die Lichter. Hinterm Hauptbahnhof zeigt der Tacho 100 Kilometer. Es ist kurz nach ein Uhr. Raus aus der Stadt dauert es noch eine knappe Stunde bis zu guten Lagerplätzen.

Alles was ich über die Nacht weiß, vergaß ich südlich von Straßburg.

Ein Geräusch. Ein Tier. Im Schummerlicht huscht ein struppiges Nutria über den Radweg und lässt sich in den Kanal plumpsen. Picknickplatz Erstein zehn Kilometer. Guter Lagerplatz. Ich widerstehe. Nächster Halt Marckolsheim, etwa 40 Kilometer. Ich rechne, zwei Uhr plus 40 Kilometer gleich vier Uhr. In Marckolsheim hat ein gutmütiger Mensch, der in einem alten Kanalschleusenhäuschen wohnt, eine kleine Bank aufgebaut, einen Tisch, einen Sonnenschirm, einen Mülleimer und vor allem einen riesigen Thermoballon mit eisgekühltem Wasser. Mein nächstes Wasserloch also. Die Müdigkeit hält sich in Grenzen. Die Nacht ist so heiß, dass ich ohne Frösteln im T-Shirt radeln kann.

Ich habe die Strecke bei früheren Fahrten tagsüber gefilmt, fotografiert, hab sie besungen, bewundert und verflucht. In jener heißen Nacht lief ein Diktiergerät mit, notierte ich Bilder auf Band, die ich wegen der Dunkelheit nicht auf Video oder Foto bannen konnte. Mehr noch, ich ließ das Hirn mäandern, teils fühlte sich das ein bisschen an wie Traum, die klaren Strukturen der Tagdenke zersetzten sich im Dunkel am Rand des Kanals. Wie träumen bei vollem Bewusstsein. Lucid. Einzelne Elemente liegen wie unsortierte Puzzleteile nebeneinander. Vielleicht ist es mit dem Denken nachts ja so wie mit Puzzle: Obschon die Grundmenge an Gedachtem exakt gleich ist wie beim fertig zusammen gebauten Puzzlebild, sieht es ganz anders aus und nur derjenige, der es schafft, das Unbewusste zu erlauben, kann es auch genießen. Denke wild und absichtslos.

Da ist ein möglicher Lagerplatz nördlich von Neuf-Brisach, der mir gefährlich werden könnte. Unweigerlich steuere ich darauf zu. Wann wird es endlich hell? Jetzt bloß nicht schwach werden. Da links schon Morgendämmerung? Kies knistert unter den Reifen. Nutrias hie und da. Frösche. Wind in den Platanenalleen und das holprige Voranstottern auf runzelndem Teer, der von ihren Wurzeln angehoben wird. Es ist zu warm, um müde zu sein. Blick auf die Uhr verliert sich im Dunkel jenseits des Lichtkegels. Als ob je ein Blick auf die Uhr den Lauf der Sonne beschleunigt hätte. Ich lausche. Ist das Morgenverkehrslärm? Östlich vom Kanal verläuft eine Landstraße. Wann fahren die Franzosen zur Arbeit? Fünf, sechs Uhr? Wenn das Zurarbeitleute sind, dann gibt es auch irgendwo eine frühaufe Bäckerei. If Zurarbeitfahrleute, then aufe Bäckerei; else Boulangerie fermeé. In einem Dorf verlasse ich den Kanal und tatsächlich, da hat schon eine Bäckerei auf. Rein, ein Kaffee, ein Éclaire und etwas Deftiges. Draußen neben dem Radel beobachte ich die Leute, die auf dem Weg zur Arbeit hier stoppen. Manche nehmen sich Zeit zum Plausch bei Kaffee. Die meisten kaufen nur kurz ein und fahren weiter. Einer lässt den Motor laufen. Uralte Karre, kann also nicht wegen der Klimaanlage sein. Ich könnte das Auto stehlen.

Welch fulminantes Ende für eine Radreise ans Ende der Nacht.

Fehler vierundzwanzig – Irgendlink on Error

Diese Szene vor ein paar Tagen im Metalabor*, nicht dass ich sie nicht schon hundert Mal erlebt hätte, nicht, dass ich nicht wüsste, worum es geht und wie es funktioniert. Diese Szene war symptomatisch. Für das Leben und den ganzen Rest. Dabei habe ich nur die Geschirrspülmaschine ausgeräumt. Das alte Ding zeigte Fehler 15, die Pumpe schaltete sich von Zeit zu Zeit ein, pumpte Luft oder Unpumpbares, schaltete sich wieder aus, ruhte eine Weile, pumpte erneut, bis jemand den Stecker zog, ein anderer bemühte eine Suchmaschine, um sie vielleicht zu reparieren. Doch darum geht es eigentlich gar nicht.

Fremde Küche eines Seminarhauses. An den Schränken sind Aufkleber, was wo hinein gehört. Hier die Tassen, dort die kleinen Teller, da die großen, da die Schublade mit dem Besteck und nun das Problem. Dieser eine Gegenstand, der sich nicht einordnen lässt. Minutenlang irre ich in der Küche umher, suche Wände, Decke, Boden, alle Schränke ab, wo der nichteinordenbare Gegenstand hingehört. Ich hänge fest in einer Schleife des Suchens und Nachdenkens, während die Spülmaschine immer noch halb voller Teller, Tassen und Gläser ist. Der Prozess des Spülmaschineausräumens, der so fluffig laufen könnte, wenn nicht das Problem, die Wand, das Unüberwindliche aufgetaucht wäre, dieser Prozess steht still.

Drüben im Gemeinschaftsraum lungern die Dudes**, plaudern und philosophieren. Der Tisch würde gedeckt werden wollen, denke ich, halte den Gegenstand in der Hand, betrachte ihn. Der passt nirgends hin, aber so lange ich ihn in der Hand halte, kann ich nicht weiter ausräumen. So lange nicht ausgeräumt ist, kann niemand den Tisch decken. Solange der Tisch nicht gedeckt ist, gibt es kein Frühstück.

Fehler 24. Irgendlink on Error. Jemand müsste den Stecker ziehen. Jemand müsste mich resetten. Jemand müsste eine Suchmaschine bemühen, um herauszufinden, was mit mir nicht stimmt.

Die Dudes werden ungeduldig. Sie murren. Sie murmeln. Sie beraten sich. Sie entsenden Q., um Kaffee zu holen.

Q. sieht mich und den Gegenstand. „Das da bitte nicht wegräumen, das gehört mir“.

Reset Irgendlink

Und die Spülmaschine?

Wir spülten mit Hand.


* Das Metalabor ist ein jährliches Treffen verschiedenster Menschen. KünstlerInnen, PhilosophInnen, ganz normale Leute. Wir diskutieren zu einem Thema, zeigen Filme oder machen Präsentationen. Das Thema des Metalabors neun lautete „Der Zeit wieder zur Dauer verhelfen“.

** Die Teilnehmenden des Metalabors sind die Radical Dudes, egal ob männlich, weiblich oder divers. Ihre Gemeinschaft, die Radical Dude Society entstand vor Anbeginn der Zeit.

Mein Beitrag zum Metalabor neun:


http://metalabor.org/

https://www.knotenpunkte.net/

Gedenkfahrt und Ghostbike für Natenom

Schwarzes Bild mit einem stilisierten, fast würfelförmigen Elefanten als geschichtete schwarz weiße Silhouette. Darunter das Datum 30. Januar 2024

Letztes Wochenende radelte ich von Zweibrücken ins „Fahrradmordor“ Pforzheim, um an der Gedenkfahrt für den Fahrradaktivisten Natenom (Andreas Mandalka) teilzunehmen. Eine Zweitagestour per Bahn und Fahrrad mit insgesamt etwa 150 Kilometern im Sattel.

Das Video zeigt Freud und Leid des Radreisens und die Gedenkfahrt, 15 Kilometer die L574 hinauf bis zur Unfallstelle, an der Andreas am 30. Januar starb. An der Gedenkfeier und Demo beteiligten sich etwa 500 Radlerinnen und Radler aus ganz Deutschland.

Die Demo und Gedenkfahrt beginnt ab Minute 32:00. Davor ist Anreise durch den Pfälzer Wald und Sinnieren übers Radfahren, Rücksicht und Verkehrssicherheit.

https://youtu.be/Gd6I4QnrMVU

Breakeven des Videoschnitts – Sehnsucht nach Weite

Winterliches Streuobst Hochland mit einsamem kahlem Baum, neben dem ein Mensch mit jubilierenden Armen gen Horizont tanzt. Ganz klein ein Fahrrad. Über der geteerten Fläche des Wegs wird der Schriftzug Sehnsuch nach Weite in weißen Großbuchstbaen eingeblendet, sowie das in eckigen Klammern geschriebene Logo Irgendlink.

An Schlaf ist nicht zu denken. Der Kopf malmt. Durchwirkte Gedanken durchaus positiver Natur. Das innere Drängen lässt sich nicht aufhalten. Als sei eine Art Frühling ausgebrochen tief in mir. Blüten und Früchte allüberall und ein herrlicher Duft von Aufbruch.

Gäbe es nicht zu viele verschiedene Baustellen, ich könnte einfach tapfer loslaufen, vorwärts schauen, machen. Aber da sind die Ablenkungen durch liegen Gebliebenes.

Beim Videoschnitten, das ich seit anderthalb Monaten intensiviert habe, habe ich neben vielem anderen auch eines gelernt: Dranbleiben an der Sache und sie bis ins feinste Detail durcharbeiten. Im Kopf ist immer ein Fokus auf ein so-und-so sollte das Endergebnis aussehen. Egal, ob man nun ein Video schneidet, ein Poster gestaltet, einen Text schreibt, ein Essen kocht oder einen Garten bestellt.

Ein neuer Stern am Youtubehimmel – Irgendlink Reloaded

Ich bin äußerst zufrieden mit meinem Ausflug in die Videowelt. Sie eröffnet meiner Kunst und dem Schreiben ganz neue Perspektiven. Das im letzten Jahr naiv ausgerufene „Irgendlink Reloaded“ erhält posthum doch noch einen Sinn. Eigentlich als Notbehelfstitel für meine geplante und gescheiterte Nordkapreise gedacht, denke ich nun, dass der Reload in Form von Vlogs und neuen Werkzeugen des Livereisens tatsächlich möglich ist. Schon arbeite ich an Videos über längst vergangene Reisen; vermutlich lässt sich aus dem Bild- und teilweise auch Bewegtbildmaterial von damals in Kombination mit Blogtexten und Vlog-Sessions ein interessantes Konglomerat gelebten Kunstlebens kreieren. Ich hab jedenfalls „Bock“, um es mal im Youtube-Sprech zu sagen. Ich hänge die Links zu den ersten Experimenten, die Materialien der Straße nach Gibraltar (Gibrantiago) in einen Film zu bringen unten an. Geplant ist eine Art kommentierte Slideshow mit Vlog-Elementen und Routen-Clips. Ein schönes kreatives Spielfeld, wie ich finde.

Breakeven des Videoschnitts

Nach drei Radreisevideos, die ich geschnitten habe, habe ich den Umgang mit dem Schnittprogramm Kdenlive halbwegs drauf, fühle mich wohl mit dem Werkzeug. Im Grunde ist es auch nichts anderes als Holzhacken mit einer Axt. In beiden Fällen, beim Videoschneiden wie beim Holzhacken, muss man zunächst das Werkzeug beherrschen lernen. Ungeübt einen 60 Zentimeter durchmessenden Pappelklotz zu zerhacken ist ähnlich schwierig wie mit Kdenlive ein Video zu bearbeiten. Pappel ist, zugegeben, eines der am kompliziertesten zu spaltenden Hölzer, die ich kenne. Da kannst Du nicht einfach mittenrein hauen und zack haste zwei Hälften. Selbst wenn das Holz natürliche Risse aufzuweisen scheint und du dich darauf konzentrierst, sie womöglich auf den Millimeter triffst, mit aller Kraft zuschlägst: kein Durchkommen. Pappel muss man vom Splint aus in Scheiben abspalten.

Ich lenke ab. Die Videoschnitterei hat endlich ihren Breakeven erreicht. Beim neuesten Film, dessen Rohmaterial ich vergangenen Samstag auf dem Europäischen Mühlenradweg sammelte, habe ich gerade mal sechs Tage gebraucht bis zum fertigen Film. Zudem erstmals auch ein bisschen auf die Uhr geschaut, um ungefähr zu ermitteln, was mich solch ein Film denn kostet. und dann hochgerechnet, wieviel ich theoretisch verdient hätte, wenn ich die drei Filme in Auftrag produziert hätte.

Naja, davon ließe sich prima leben.

Sehnsucht nach Weite – Radtour auf dem Europäischen Mühlenradweg

Lange Rede. Mein neuester Film heißt Sehnsucht nach Weite. Er spielt auf dem Europäischen Mühlenradweg südlich Zweibrückens.

Heute Abend (Freitag 2. Februar 2024) ist Premiere. Zur Primetime um zwanzig nach acht. Dann hat man noch Zeit, sich nach dem Wetterbericht ein Getränk zu holen.

Schaut gerne vorbei. Ich werde im Livechat dabei sein.

Der Film wird nach der Premiere natürlich auch noch im Netz sein.

Wer kein Youtube mag, kann sichs über Yewtube, zudem werbefrei, anschauen. Dort wird die Premiere aber noch nicht angezeigt. Der Film sollte wie alle anderen Irgendlink-Produktionen mit dem Suchbegriff „Irgendlink“ auf https://yewtu.be/ zu finden sein.

Peertube-Instanz gesucht

Achja, hier noch eine Frage: Kennt Ihr eine Peertube-Instanz, bei der man in großer Datenmenge Filme hosten kann. Es würden pro Monat wohl etwa 30 bis 50 GB anfallen. Die Instanz sollte gepflegt sein, Thema Reise und Kunst, sowie schnell, und zukunftsstabil.

Downloads und Goodies

Downloadlinks des GPX-Tracks der Radtour und des Vorschaubilds als Wallpaper gibts in der Videobeschreibung.

Apendix Slideshow-Experimente zur Straße nach Gibraltar

Die vorgehensweise ist erst einmal so: Ich jage die Einzelbilder durch die GoPro Quik App, die daraus in verschiedenen Formatvorlagen unterschiedliche Arten von Clips macht. Inklusive Musik. Das Programm nimmt mir die Animationsarbeit ab. Ein bisschen erinnert es mich an die iPhone App Hipstamatic – aufgeblasener Schnickschnack, der aber kreativ eingesetzt eine gewisse Endwürze erzeugt, die man als händisch tätiger Künstler ohne App-Unterstützung nur unter großen Mühen erreichen würde. Kurzum Appspressionismus in Reinform. Klar, nur die App einsetzen und Ruhe ist, das geht natürlich nicht. Beim Appspressionismus ist es ja so, dass erst die kreative Kombination unterschiedlichster Apps in Kooperation mit dem Künstler, der Künstlerin ein unikates, markantes Kunstwerk erschafft. So erhoffe ich mir das nun mit den Bewegtbildern.

Nun wünsche ich ein feines Wochenende, viel Spaß mit den verlinkten Clips und vielleicht sieht man sich ja heute Abend um 20:20 Uhr bei der Premiere?

All die Pläne, eine Filmpremiere und wie ich lernte, das schwer zu reitende Pferd Kdenlive zu reiten.

Tausend Worte am Tag schreiben. Den Shop aufräumen. Videos bearbeiten. Gesund leben. Rad fahren. Das Haus ansonsten nicht verlassen. Jeden Tag jede Woche ein altes, unbeendetes Projekt fertig machen. Jeden Monat einen ehrenamtlichen Artikel für den ADFC schreiben. Und noch so einiges.

Filmpremiere Radtour durchs Elsass am 17. Januar

Was hatte ich nicht alles vor in diesem Jahr und nun ist der Januar halb rum. Heute ist der 1 Million 61ste Geburtstag der Kunst und mein Film „Durchs Elsass per Rad“ geht um 18 Uhr online. Schaut gerne zur Premiere heute (Mittwoch 17. Januar 2024) vorbei. Natürlich ist der gut einstündige Youtubefilm danach dauerhaft im Netz. Bei der Premiere gibts eine Chatfunktion und ich werde versuchen, sie zu managen. Sprich, ich bin ab 18 Uhr da, schaue den Film zum gefühlt hundertsten Mal, aber mit Euch gemeinsam und beantworte allfällige Fragen.

Tja, da wären wir womöglich beim Hauptthema. Nachdem ich letzten Herbst schon begonnen hatte, mit Filmschnitt zu arbeiten (Elsässer Weinstraßenvideo), bin ich mit meinem zweiten Radreisevideo etwas tiefer in die Materie gegangen. Ich kann mittlerweile das Open Source Schnittprogramm Kdenlive bedienen und kenne seine Tücken. Hat mich etwa einen Tag Arbeit gekostet, Fehler zu machen, die ich nie wieder machen werde. Die gute alte Lernkurve eben, bzw. die Fehler lagen eigentlich in der Soft- und Hardware. Mit den digitalen Techniken ist es wie mit einem neuen Ledersattel. Dauert eine Weile, bis sie sich dem Körper anpassen.

Kdenlive (in meinem Fall Version 23.08 als Appimage auf Xubuntu) sicher nutzen:

Das A und O sind regelmäßige Sicherheitskopien Deines Projekts (echte Kopien, nicht nur regelmäßiges Speichern der Arbeitsdatei, denn das macht Kdenlive zuverlässig selbst). Falls das Programm abstürzt, oder wie in meinem Fall einen Schnitt-Salat produziert, kannst Du zu einer der Kopien zurück.

Es gibt nur zwei weitere Dinge, die in Kdenlive „gefährlich“ sind:

  • Das Werkzeug „Abstand entfernen“ produziert bei vielen Clips und mehreren Spuren und ggf. einer Untertitelspur einen nahezu irreparablen Schnitt-Salat, das heißt, es verschusselt alle Zeitstempel und zerstört den Film, löscht die Untertitel.
  • Die „Bearbeiten > rückgängig“ Funktion kann das Programm zu einem massiven Absturz bringen, so dass es sich gar nicht mehr starten lässt (davon las ich einige Berichte; in meinem Fall konnte ich das Programm nach dem Restart des Rechners wieder zum Laufen bringen).

Lösung für beide Macken: Die Sicherheitskopien, die Du am Besten immer vor größeren Eingriffen in die Schnittstruktur anlegen solltest. Die Kdenlive-Dateien sind im Vergleich zum eigentlichen Video mit nur einigen Megabyte Größe verschwindend klein.

Youtube

Ich weiß, ich weiß. Der Gigant. Daten abgreifen, die Arbeit kreativer Leute ausnutzen, um bezahlte Werbung unters Volk zu streuen. So widerlich, so gut, ich lasse mich trotzdem ein aus purer Neugier und bin ebenso angetan wie abgestoßen von der Plattform. Die Entscheidung ist gefallen, dass ich mich ein Jahr lang ausprobiere auf der Plattform. Spezialgebiet Radreisen und Outdoor. Ich lerne viel. Staune. Staunen ist wichtig. Es hat etwas Naives, finde ich, und das tut machmal ganz gut.

Art Birthday

Zum Geburtstag der Kunst gibts hier einen Wikipediaartikel. Happy Birthday, altes Künstchen.

Typischer Youtube-Thmunail. Vor der Kulisse eines Unwetters, das man aus einem kleinen Unterstand beobachtet, zerzauste Bäume, Starkregen, schaut weiß umrandet grob ausgeschnitten der Oberkörper eines behelmten Ralders, der verbissen in die Kamera schaut. Rechts über dem Radler ist eine sengende Sonne mit starken Strahlen künstlich animiert und überdeckt einen Teil der Unwetterszene. Die linke Hälfte des Videothumbnails ist in Youtube typischer Clickbait-Manier beschriftet mit weißen Lettern und schwarzem Rand: "Orkan vs. Hitze".
Radtour Elsass – August 2023 Youtube Thumbnail

Zu guter Letzt das Thumbnail meines Films. Bissel Clickbait, ich weiß, aber das gehört zu meinen Youtube-Exerzitien, wie auch die Premiere heute Abend (getreu dem Motto, Du hast das Werkzeug (Software, Feature, was auch immer), probiere es aus.