Irgendlink zaubert

Ein neuer Artikel muss her. Lass dich nicht hängen. „Seit zehn Jahren Blogger und dann so eine seltsame Aussage wie gestern im Kommentar,“ schimpft mich Konzeptkünstler R.,“‚Wer soll sich dafür interessieren‘, hast du gesagt. Das ist doch hanebüchener Quatsch. Du hast den Saft der Jugend gegen das Gift und die Galle des Alters getauscht. Du bist verbittert. Das ist nicht gut fürs Geschäft.“

Muss ich mir anhören heute. Zu Recht. Was soll das ganze Gezerter, wenn man mitten in einem schwierigen Denkprozess steckt. Dann kann man doch keine finalen Aussagen machen, oder Visionen skizzieren, dann hilft nur noch Kopf runter und los.

So radele ich durch den frühlinghaften Wald und überlege, es wäre besser heute nicht zu arbeiten. Ich habe schlecht geschlafen, bin sackmüde. Insgeheim formuliere ich ein paar Worte, die ich dem Owner am Telefon erzähle, dass ich krank bin, dass ein Verbrecher mich entführt hat, dass die Katze verschwunden ist und ich sie suchen muss. Ich sollte jetzt direkt anrufen, denke ich bei der Durchquerung des Birkenhohlwegs, verschiebe die Entscheidung auf die nächste Wegkreuzung, drunten in Kirrberg. Dort könnte ich in die andere Richtung abbiegen, nach dem Anruf, und auf dem Radweg über den alten Bahndamm nach Kusel ein paar Fotos schießen. Mich auf eine Parkbank legen, ausschlafen. Unten in Kirrberg kommt alles so, wie es in meinem mit dem Feind kolaborierenden Unterbewusstsein geplant war. Ich nehme den Weg zur Arbeit, vertage den Anruf auf die nächste Kreuzung am Teufelsplacken. Dort werde ich anrufen und sagen, ich sei von drei Tschetschenen entfürht worden. Keine Polizei. Doppelagent Unterbewusstsein zeigt mir, wo ich in Kürze sein werde. Der trockene Wald stimmt mich friedlich. Ein Mann kommt mir entgegen in seinem Kleinwagen, auf dem Rücksitz kauert ein scheckiger Jagdhund. Die beiden sind mir schon gestern hier begegnet. Menschen und ihre Gewohnheiten. Ob der Mann mich wohl wieder erkannt hat, ob er sich fragt, wieso ich heute schon wieder diesen Weg radele? Ich vergesse, den Owner anzurufen. Naja. Lügen liegt mir einfach nicht. Und wie ich so den Karlsberg überquere, weicht auch die Müdigkeit und die Ideen verlassen den Kopf. Das Tal der guten Ideen ist gleichzeitig auch meine Schlucht des Vergessens. So bin ich bereit, der Tag ist ja schon halb um und ich werde erst einmal einen Kaffee trinken, wenn ich in der Tackerfirma ankomme.

Kollegin A. bittet mich gegen 15 Uhr, „zaubere für mich!“

„Hä?“

„Mach, dass es fünf ist.“

Kurz vor fünf kommt sie erschöpft zu meinem Arbeitsplatz. „Bin fast fertig“, sag ich.

„Womit?“

„Mit zaubern. Noch zehn Minuten und ich hab fünf Uhr gezaubert.“

2 Gedanken zu „Irgendlink zaubert“

  1. sich interessieren? gelesen werden? hm, schreib bitte nicht für die statistik und weil du solltest. schreib einfach, weil du lust zum schreiben hast. aber höre bitte nicht auf, lust zu haben :-)

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