Das A-Wort nicht sagen

Manche reagieren auf die Adventszeit ein bisschen allergisch, da sie aus Glaubens- oder emotionalen Gründen nicht viel mit Weihnachten anfangen können.

Ihnen sei mit einem ironischen Augenzwinkern dieser 40-türige Adventskalender gewidmet.

Du kommst hier nicht rein. Bildcollage mit 40 zugemauerten oder verbarrikadierten Türen.
Du kommst hier nicht rein. Bildcollage mit 40 zugemauerten oder verbarrikadierten Türen.

Im Laufe der letzten Jahre entstand die Serie vermauerter und geschlossener Türen als lose Bildersammlung. Vom Nordkap bis Gibraltar sind Motive vorhanden. Besonders viele Objekte entdeckte ich in diesem Frühjahr in Spanien. Angefangen hat die Sammlung vor einigen Jahren bei einem künstlerischen Stadtspaziergang in Homburg (Saar). Auf der Rückseite eines Gebäudes hatte jemand auf eine zugemauerte Tür die Worte ‚Du kommst hier nicht rein‘ geschrieben. Die kragelige Kreideinschrift machte einen das prollig-rollende Sprech eines Türstehers bildhaft.

Rückblicke #Gibrantiago #ibcoco

Auf der 3600 km langen Radreise nach Gibraltar im vergangenen Frühling stoppte ich alle zehn Kilometer und fotografierte die Straße.  Die Bilderserie umfasst etwa 1200 Fotos, die nach einem komplizierten Verfahren mit verschiedenen Filtern aufgenommen wurden. Je drei Aufnahmen zeigen die Strecke in Richtung Ziel und eine Aufnahme ‚blickt‘ zurück. Die Rückblicke sind in der folgenden Bildtafel vereint. (Wer sich für die Technik interessiert, lese bitte die Infos unter dem Bild).

349 quadratische Straßenfotos auf einer Bildcollage arrangiert
349 quadratische Straßenfotos auf einer Bildcollage arrangiert

Technik: die Bilder wurden mit einem iPhone 4s und der App Hipstamatic fotografiert. Um für Ordnung zu sorgen wurden sie unterwegs direkt nach der Aufnahme in einen Straßenbilder-Fotoordner sortiert. Die App Hiptamatic bietet zahlreiche Filter. Sie hat obendrein eine Funktion ‚Random by Shake‘, mit der sich durch Schütteln des iPhones zufällige Filterkombinationen erzielen lassen. Dies kam bei den Rückblicken alle zehn Kilometer zum Einsatz (wer den Fotografen beobachtete, musste sicher schmunzeln, bei der ruckartigen Bewegung, die er tätigte, um den Zufallsfilter zu aktivieren).

Die Bilder, allesamt 2448×2448 Pixel groß, wurden auf dem heimischen PC in ein temporäres Verzeichnis kopiert und mittels des folgenden Befehls auf der Linus-Konsole auf eine Bildhöhe von 945 Pixeln gebracht:

mogrify -resize x945 *.jpg

Der kleine Befehl bringt alle Bilder, die auf .jpg enden auf eine Höhe von 945 Pixeln (Achtung, er überschreibt die Bilder, deshalb wurden sie vorher in ein tmp-Verzeichnis kopiert). 945 Pixel entspricht einer Druckgröße von acht Zentimetern bei einer Auflösung von 300 dpi.

Im nächsten Schritt wurden die Bilder per Drag¬Drop in eine Gimp Bilddatei gezogen, händisch arrangiert und nachbearbeitet.

In Gimp wurde zur Hilfe ein Raster erstellt mit einer Laufweite von 994 Pixeln (Bildgröße plus Abstand zum nächsten Bild). So konnten die winzigen Bildchen am magnetischen Raster eingefügt werden.

Wenn die Bilder nicht nachbearbeitet werden müssen, kann man sie auch mit dem Imagemagick-Befehl ‚montage‘ zu einer Bildtafel arangieren. Im Fall hätte der montage Befehl vielleicht eine viertel Stunde am Bild gerechnet, die händische Bearbeitung mit Gimp dauerte einen ganzen Nachmittag und erzeugte eine Datei von fast 7GB Größe.

Im Fall war jedoch eine Korrektur der Mittelwerte bei etlichen Bildern der Serie nötig.

Die Kunststraßenfotografie ist eine impulsive, denkfreie Art zu fotografieren, bei der keinerlei Rücksicht auf das Motiv (ist es da gerade schön, wo ich fotografiere) genommen wird. Sie findet bei jedem Wetter unter teils widrigen Bedingungen statt. Zahlreiche Gegenlichtaufnahmen habe ich daher händisch während des Einkopierens in die Gimp-Datei nachbearbeitet, um ein möglichst homogenes Bild zu erzeugen.

Die Bildcollage ließe sich auf eine Größe von fast zwei Metern ausbelichten (wahrscheinlich sogar auf vier).

Mit entsprechender Rechnerleistung wäre es möglich, eine Datei zu erzeugen, die man auf acht Metern Breite drucken könnte. Vermutlich könnte man das Kunstwerk sogar auf 16 Meter Größe bringen.

Aber das ist eine Musik, die in ferner Zukunft spielt.

Ich bin zufrieden.

 

 

Urban Artwalk Dahn

Am Kultursonntag in Dahn hatten Frau SoSo und ich mal wieder die Gelegenheit, „live in Action“ einen sogenannten Urban Artwalk zu unternehmen. Einen künstlerischen Stadtspaziergang, bei dem man sich durch die Stadt treiben lässt, hinschaut und hinhört, eins wird mit der Atmosphäre und wie ein digitaler Jäger und Sammler Fotos, Filme, Texte ins Smartphone bannt.

Rezept für einen Urban Artwalk
Rezept für einen Urban Artwalk (zum Vergrößern bitte anklicken)

Der Clou an der Sache war, dass wir die Daten direkt an unseren Onlinedrucker übermittelten und in der Galerie N im alten Rathaus eine eigens bereit gestellte, leere Wand nach und nach füllten. SoSo und ich wechselten uns in zwei Sessions spazierend und am Drucker ab. Zwar gab es ein paar technische Schwierigkeiten – wir hatten kein WLAN und mussten uns mit zwei Mobilfunknetzwerken behelfen, wobei eines der Smartphones partout nicht vom Drucker erkannt wurde … lassen wir das, die Sache lief trotzdem irgendwie und wir füllten die Wand.

Knapp 200 Fotos haben wir gemeinsam erjagt und ersammelt und daraus eine Collage erstellt, wie wir das mit jedem unserer Artwalks machen (in dieser Artwalk-Liste  findet Ihr eine Karte aller Kunst-Stadtspaziergänge 2007 bis 2015).

Das Panoramabild des Dahner Wahrzeichens, des Jungfernsprungs im Kopf dieses Artikels wurde ebenfalls auf dem Smartphone gestaltet. Es ist eine Art Hipstamatic-Autostitch-Hybrid. Also mit zwei verschiedenen Apps auf dem Smartphone realisiert.

Die folgende Collage zeigt eine Urban Artwalk Auswahl von Bildern von SoSo und mir.

Urban Artwalk Dahn Bildcollage
Urban Artwalk Dahn Bildcollage

 

Draussen auf den Feldern

Ein gemütlicher Sonntag mit Schlammspaziergang auf den Äckern der Sickinger Höhe. Und was gibt es dort zu sehen? Aufkeimende Wintergerste (bzw. -irgendwas-mit-Körnern, Windräder, Schlammspuren und Hochsitze.
Eine Jägerin macht stumm mit dem Finger vor den Lippen „Psssssst“, als ich ihren Hochsitz für die stetig wachsende Sammlung fotografiere.

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Auch die Moorlander-Sammlung wächst. Manchmal denke ich, die Schlammfotografie ist Hirnjogging pur. Sie spricht beide Hirnhälften gleichermaßen an. Lustwandelnd in der Welt stehe ich oft mit einer fertigen Geschichte oder wenigstens mit einem Titel für das MudArt Kunstwerk im Sinn vor einem der vielen Schlammlöcher, denke mir den idealen Bildausschnitt zurecht und welchen Kamerafilter ich verwende. Die Bildtitel spreche ich entweder aufs Band oder tippe sie ins iPhone Notizbuch.

Lonesome Threesome
On The Bright Side Of Life
Attention Please
A Sharp Lady
Cum Into My Mud
Deine Mudda Ist Wie Buddha
The Great Palatin Massacre Feat. Go To Hell ZW
Saarlanday Bloody Saarlanday
The Windy Gap
Island In The Sun
Twin Bauers
Eine ehrliche Haut

(MudArt Titel Ausbeute zweier Tage). Sie sind das Rankgerüst für Geschichten wie man sie auf erdversteck.de lesen kann.

Heute gelang Frau SoSo eine der seltenen Aufnahmen des Moorlander Chronisten Ed Korman – hier bei der Recherche für eine Kunstkritik an Moorlanders „Island In The Sun“
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Die schräge Wintersonne sorgte für bizarre Lichtverhältnisse. Gegenlichtfotografie mit schützend vor die Linse gehaltener Hand, oder Zeugnis einer UFO-Landung?
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