Nur ein Bild

Vorhin Holz gehackt. Mit einem schweren Spalthammer rückte ich Eichenstücken zu Leibe. Die Künstlerbude mal wieder 12 Grad kalt. Höllenschnee da draußen. Ich hob das Beil, schlug zu, die Fetzen flogen. Düstre Holzhalle am anderen Ende des einsamen Gehöfts, weshalb ich das Kleingehackte auf einen Schubkarren lud. Es darf als Intelligenzleistung angesehen werden, dass ich die besonders kleinen Stücke zunächst liegen ließ, damit sie später oben auf dem Schubkarren sind. Mit Ihnen würde ich das Feuer entfachen. Plötzlich wurde mir klar, dass ich die Holzstücke noch einmal umschichten muss. Kann ja den Schubkarren nicht die Treppe hinaufzerren bis ins Wohnzimmer. Das nun obenliegende Anfeuerholz würde also in der Weinkiste, welche ich fürs Hochschleppen nutze, ganz unten liegen.

Das wäre nicht weiter erwähnenswert, wäre nicht in diesem Augenblick ein Wildvogel durch den Holzschuppen geflogen und hätte mich auf metaphysische Weise an des Menschen Bestreben, die Dinge gradzurücken erinnert. Desinfektionsanlegen. Keulung, Stallpflicht  gaukelten in einer friedlichen Mischung mit Rechtschreibreform und Arbeitslosenzahlen in meinem Schädel. Ich stellte fest: Überall hat der Mensch die Finger im Spiel und reguliert nach neuesten Erkenntnissen das System. Alles was man tut hat einen Sinn. Der Sinn existiert innerhalb enger Grenzen. Des Menschen Horizont ist beschränkt. Der Mensch ist stets bestrebt seinen Horizont zu erweitern.  Er wundert sich dann, wie einfach es doch jenseits des Horizonts zugeht. Er wundert sich wie lang der Weg ist, den er zurückgelegt hat. Und er ist erstaunt, wie eng seine Sicht doch einst war.

Mühsam schleppte ich eine Weinkiste voller Holz in die Bude, packte alles aus, schichtete ein Anzündfeuer im Ofen und entfachte es. Man könnte sagen, der Horizont, der bisher von der Holzhalle bis zum Fuß der Treppe reichte, reicht nun bis in den Ofen.

Heyho

Das Feuer knistert. Draußen liegt Schnee, schneit es immer wieder. Nicht gerade warm dieser Tage. Soeben die Seite des Mainzer Kunstvereins validiert. Ich bin stolz. Es ist XHTML. Hab mich ja nie so sehr um sauberes Seitenschreiben gekümmert, weil die gängigen Browser so tolerant sind und alles Mögliche darstellen können. Aber diesmal – und weil es doch ein neues Projekt ist … da arbeitet es sich doch viel besser. Ist wie Neubau. In alten, denkmalgeschützen Häusern sind einem die Hände gebunden. Aber draußen auf der grünen Wiese darf man schön gerade.

Was red ich. Oft im Wald unterwegs gemeinsam mit Kokolores auf der Suche nach Kästchen. Geocaching hat sich als Hobby etabliert. Wir stehen kurz vor der Vollendung unseres ersten eigenen Verstecks. Ein sogenannter Multicache, von dem die Anfangskoordinaten bekannt sind. Den Weg zum Haupt-Versteck muss man dann vor Ort selbst suchen. Man spaziert dabei durch historisch interessante Orte, Burgen oder Klöster und informiert sich ganz nebenbei über die Geschichte. Irgendwo in Mauerritzen oder unter Steinen sind weitere Hinweise auf das Finale Versteck verborgen. Man muss die Koordinaten, die man unterwegs findet in das GPS-Empfangsgerät einprogrammieren und wird so weiter geleitet in einem Zick-Zack-Kurs, wie es dem jeweiligen Verstecker gerade in den Sinn kommt.

Ich wollte mich mal wieder melden, hiermit. Schöne Grüße an Euch alle da draußen.

Werbokratie

Ziemlich frustriert, weil ich nachts den Wecker auf neun Uhr gestellt hatte. Als er vorhin klingelte, einfach nochmal umgedreht. Somit müsste es jetzt halb zwölf sein.

Fakt ist jedoch, dass der Zweitwecker um sieben rasselte. Ein untrügliches Gefühl für die richtige Tageszeit scheint mir die Völle der Blase, die Gräue der Dämmerung, das Krähen des Hahns und noch so einiges – das Radio dudelt. Jetzt ist alles Fußball. Das Abdriften in die Werbokratie wird dieser Tage deutlich. Der Produzent putscht blutig gegen den Konsumenten. Jeglicher akustische, optische öffentliche Raum ist mit Marken gepflastert. Dreh- und Angelpunkt ist der Fußball. Man könnte sagen, die Werbung wird gleichgeschaltet. Jeder, der etwas auf sich hält macht in Fußball. Fußball ist ein knappes Gut. Fußball ist wichtig. Fußball ist gut. Fußball ist lieb. Ohne Fußball sitzt dein Haar nicht richtig. Ohne Fußball ist deine Verdauung gestört, alterst du schneller, wirst dick. Autos ohne Fußball sind nicht sicher. Versicherungen ohne Fußball kann man nicht vertrauen. Waschmittel ohne Fußball macht nichts weiß. Mobil ohne Fußball telefonieren ist sauteuer. Leg dein Geld bei Fußball an. Nur die Kartoffelchips von Fußball schmecken würzig knackig. Den Tatort solltest du dir von Fußball präsentieren lassen. Kauf deine Fußbälle bei Fußball. Und die Schuhe und die Socken. Nur Kondome von Fußball sind wirklich sicher. Massenunruhen wegen schmähender Fußballkarikaturen in Dortmund.

Wie kam ich jetzt auf das Thema? Wie oft musste ich Fußball schreiben?

Blogs ohne Fußball liest kein Schwein.

Wäre schon möglich, dass …

Nundenn, hab mich mal wieder eingeloggt, obwohl nicht in Schreiblaune. Zu berichten gäbe es so einiges. Viel Computerzeugs, was sich als Erwerb von Wissen bezeichnen lassen könnte. Ich bastele an meiner Galerie. Und an der Homepage des Mainzer Kunstvereins.

Hat wieder Plusgrade, weshalb ich die Wasserleitung reaktiviert habe. Nun finde ich endlich mein Besteck wieder, welches ich mit dem Spülwasser in den Garten geschüttet habe. Die Fässer, die in der Bude stehen, sind fast leer. Kommt mir vor, als wäre ich das Entwicklungsland der feinen Künste. Ich bin der korrupte Putschist der Literatur.

Am Morgen hatte ich einen ernsthaften Bericht über die Angst im Sinn. Aber wie es mit den ernsten Themen so ist, sie lassen sich nicht nebenbei schreiben. Grundlage meiner Assoziation war das Peterprinzip, über welches ich vor einiger Zeit geschrieben habe. Das Peterprinzip sagt, dass die Menschen in einer Hierarchie bis zu einem Posten aufsteigen, an dem sie sich als untauglich erweisen. Dort bleiben sie.

Mit der Angst ist es genauso: die Menschen handeln so lange auf ein wagemutiges Ziel hin, bis die Angst übermächtig wird und sie nicht mehr weiterkommen. Die Angst ist obendrein taktisch klug und versucht ihr Opfer zurückzudrängen. Das Opfer steht in einem zermürbenden Grabenkampf. Verwehrt ihm die Angst heute nur das Benutzen von Fahrstühlen, so diktiert sie ihm morgen schon, wann und wie es die Wohnung zu verlassen hat.

Die Angst ist ein hochmodernes Phänomen. Sie entsteht durch Informationsüberflutung, gepaart mit dem Unvermögen, das Wichtige vom Unwichtigen und das Richtige vom Unrichtigen zu unterscheiden.

Was mich heute Morgen dazu verleitet hat über die Angst nachzudenken? Die Vogelgrippe? Ein Tsunami? 8 Verkehrstote in nur einem Jahr auf der B Namenlos? Warum sind die Dinge, die den anderen passieren nur immer so nah und entgegen jeglicher Wahrscheinlichkeitslehre so ungemein wahrscheinlich?

Die Festplatte könnte kaputtgehen.

To labour or not to labour

Bis drei Uhr wach. Das ist ruinös. Fühle mich wie durch den Wolf gedreht. Das freischaffende Künstlertum ist ein harter und sehr brotloser Job. Hatte eigentlich überlegt, heute Morgen mal wieder zum Arbeitsamt zu schaun, aber mit derart übernächtigten Augen? Ein Besuch beim Arbeitsamt ist eine angenehme Sache. Es ist wie Arzt. Es ist wie Vater. Es ist wie Gott. Es ist wie sagen: „Nu machmal.“ und sämtliche Eigenverantwortung drangeben. Paar Minuten starrst du deinen persönlichen Berater von der Seite an. Nur zwei drei Meter schuftet ein Mensch in einer Datenbank, die du zuvor selbst nach Jobs durchwühlt hast. „Nein, es gibt nichts in dieser Region.“ Es sei denn, du willst für eine Zeitarbeitsfirma als multifunktionaler Kunststoffdingeeinpacker von Fabrik zu Fabrik geschickt werden. Zu atemberaubendem Stundenlohn. Man sagt, das habe das Flair der Resozialisierung und es steigere das Selbstwertgefühl insbesondere von Langzeitarbeitslosen. Sklaverei ist es nicht.
Als mietfreier Bewohner eines einsamen Gehöfts, zudem ohne Auto und Bausparvertrag fällt mir die Wahl zwischen einem 4,5-Euro Kunststoffteilepackerjob und dem derzeitigen Null-Euro-privat vor sich hin wurschtelnden Content-Management-Systmebastler natürlich nicht schwer.

Mitten in der Nacht die Dateien für den Mainzer Kunstverein auf den Server übertragen und die, WordPress basierte, Vereins-Homepage eingerichtet. Ich schaute auf das Multifunktionsthermometer, welches mir Kokolores geschenkt hatte, spielte mit der Max-Min-Funktion, während die Daten dudelten. Im Hintergrund lief die Glotze. Ich glaube ich war glücklich. Es macht Spaß, die Dinge ins Rollen zu bringen und sich mit kniffligen Angelegenheiten zu beschäftigen. Heute Morgen steht die Gallery-Einrichtung an. Eine etwas kompliziertere Sache, die hier auf dem eigenen Rechner relativ einfach zu bewerkstelligen war. Aber draußen auf den Servern der Welt? Mit eingeschränkten Dateirechten?

„So wurschtelt man im Kreis,“ hat glaube ich einmal Konzeptkünstler R. gesagt, „man wurschtelt grundsätzlich im Kreis. Alle tun das. Niemand ist produktiv. Produktivität ist riskant. Man könnte dabei einen Fehler begehen und dann ist man seinen Job los.“

Die Kunst? Ach ja, die Kunst. Sie hängt derzeit in Paris in der kleinen feinen Galerie L’Omadis. Vielleicht mache ich heute Nachmittag einen Spaziergang. Das Tauwetter der letzten Stunden erlaubt es nun endlich, das erste Hidden-Art-Item zu vergraben.

Wie mühsam ernährt sich doch das Eichhörnchen im langen kalten, nienienie enden wollenden Winter am Rande eines Jahres, äh, öh, hmmm