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Die beiden Zweibrücken-Andorras
Damals in Borredà – so gegen Mittag erreiche ich die Stadt durch ein kleines Bachtal, welches vom Rio Llobregat hinauf führt nach Osten. Trüber Tag, immer wieder sickert Wasser aus den Wolken. In Gedanken bin ich einerseits bei der stillen Kirche Sant Ouirze de Pedret, wo ich die letzte Nacht unter einem uralten Olivenbaum geschlafen habe, andererseits auch schon in der Zukunft, bei D., die an diesem Tag von den Cevennen im Zentralmassiv mit dem Auto nach Süden fährt, um mich zu treffen.
Kaum zu glauben, dass dies der letzte Tag der Radeltour war. Und dass sich daran noch eine knapp zweiwöchige Autotour anschloss, die ich als das Sahnehäubchen auf der ganzen Aktion betrachte.
D. hatte ein ganz besonderes Geschenk im Gepäck: Die Inhalte dieses Weblogs zum Thema Zweibrücken-Andorra chronologisch sortiert und ausgedruckt. Irgendlinks Reisen 2000 und 2010, sowie einige verborgene Texte, ein Buch von über 200 Seiten, reichhaltig bebildert.
Eigentlich ist es mit dem Schreiben wie mit dem Radfahren: ein langwieriger, anstrengender, aber ebenso erfüllender Prozess, bei dem man peut a peut seinen Standpunkt verändert. Ohne es zu merken. Weil alles so langsam geht. Wie unscheinbar man doch die Pyrenäen überqueren kann mit dem Fahrrad und wie wenig Arbeit es doch ist, 200 Seiten Buch zu schreiben.
Oke, ich gebe es zu, das Ding kann ich in der Form niemandem zumuten. D. hat zwar erhebliche Arbeit geleistet und schon viel Ordnung reingebracht, indem sie sämtliche Weblog-Texte in die richtige Reihenfolge gebracht hat. Ein Problem ist jedoch geblieben: wie kann ich die beiden Reisen aus dem Jahr 2000 und 2010 synchronisieren. Bin ich 2000 am 16. April gestartet, war es 2010 der 20. April – das lässt sich noch hinbiegen, aber die immer größer werdende Abweichung der Tagesetappen kann man nur schwer klar darstellen – war ich im Jahr 2000 nach 17 Tagen in Spanien, hat es 2010 satte 22 Tage gedauert.
Natürlich würde ich das Buch gerne zu einem Ergebnis bringen, aber ich habe mich in meinem eigenen Leben selbst verirrt.
Es gibt eigentlich nur drei Wege zum Buch:
- Ich rekonstruiere die Strecke in meinem Atelier und male eine Landkarte mit allen Bildern und allen Texten. Dann kann ich durch das Modell spazieren und mir überlegen, wie ich das Ganze in Buchform bringe – günstiger Nebeneffekt: ich habe mal wieder eine Kunstausstellung realisiert.
- Ich vereinige meine Idee vom Mai 2009 (den Jakobsweg zu fälschen, indem ich an Hand des Reiseführers mir die Geschichte nur ausdenke, anstatt sie selbst zu erleben) mit der Zweibrücken-Andorra-Reise. Ich fälsche meine eigene Strecke und erfinde mich und meinen Weg einfach neu.
- Ich lasse alles liegen, so wie D. es arrangiert hat, und lebe glücklich und zufrieden, bis das graue Band, das niemals endet irgendwann doch mal endet.
Fall Nummer drei ist dem Faulpelz in mir am Liebsten. Wer das aktuelle Buch haben möchte in seiner rohen Form, kann das 25 MB große Word-Dokument bei mir per Mail anfordern.
Ich habe begonnen, die Strecke durch Frankreich in meinem Atelier nachzubauen. Ein etwa 25 Meter langer roter Faden. Vielleicht schaffe ich es bis September diese Rauminstallation zu realisieren?
Verlorene Orte
Im Hochland zwischen Loire und Allier südwestlich von Le Puy. Die gesamte Strecke zwischen Zweibrücken und Andorra frage ich mich immer mal wieder: “Wenn ich die Reise in 10 Jahren wiederhole, werde ich dann womöglich durch Geisterdörfer fahren?” Mein Gefühl sagt mir, dass manches Dorf vor 10 Jahren noch etwas belebter war. Verlassenes Haus am Kirchplatz von St. Jean de Nay. Hinter mir plätschert ein Brunnen. Im Off, spielende Kinder, was Hoffnung macht. Auch die drei neuen Fenster lassen hoffen.

Bonustrack vom 12. Mai
Ich schufte mich nach Cambrils an der L401. 1050 m hoch, noch 2 Xberge und 8 km. Gut Netz hier (aus einer Mail vom 12.5.10/16:29).
Zweibrücken-Gibraltar 2010 Tag 22 – mehr Bilder
Tag 22 – 12.5.2010 - Tag 23 – 13.5.2010
Ax-les-Thermes – La Seu d’Urgell – Organya …
… hier noch pa Bildli von gestern u. eins von heut.
Muss sein: Gipfelfoto auf der Porte d’ Envalira. Wohl heißt daher auch der reißende Bach, der durch Andorra fließt Riu Valira?
Escaldes, ein mondän heraus geputztes Städtchen im unteren Teil Andorras. Andorra hat die höchste Pro-Kopf-Dichte an Betonmischlastern
Benzin 98 Oktan kostet um 1,12 Euro. Andorra hat sicher auch die weltweit größte Tanklasterflotte und jedes dritte Haus ist eine Tankstelle
Vorhin auf der C14 kurz vor Organya: der Riu Segre, dem ich seit Seu folge, stürzt durch eine ca 2 km lange Schlucht.
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Nach der Reise ist vor der Reise? Oder ist vor der Reise danach? Wie auch immer …
Wie es weitergeht, wird Irgendlink selbst irgendwann irgendwie irgendwem erzählen …
irgendwie verlasse ich nun seine Blogbühne
Vorhang, bitte … Winkewinke …
(by Sofasophia)
Zweibrücken-Gibraltar 2010 Tag 22
Tag 22 – 11.5.2010
Ax-les-Thermes – La Seu d’Urgell
… bin halbwegs fit auf ca. 2100 m. Wollte Bananen und Äpfel kaufen in einem der ca. 100 Supermärkte, aber es gibt nur Schnaps, Nutella in 10-Liter Gebinden, Zigaretten, Pfannen mit 80 cm Durchmesser (aus einer Mail vom 11.5.10/14:15).
Abzweig zum Col de Puymorene ca. 6 km vor Pas de la Casa
Parkhaus in Pas de la Casa
Top: 2408m. 6 Grad. Sonne. Drei Tankstellen, die Tankwarte lungern auf der Straße (aus einer SMS vom 11.5.10/15:39)
Nun Andorra, steil, staubig und mit 50 Sachen abwärts … (aus einer SMS vom 11.5.10/16:46)
Ist das exorbitant hier in Seu! Ich fahr jetzt zum Camping außerhalb … (aus einer SMS vom 11.5.10/20:11)
Das war vielleicht eine Etappe heute! Zum Glück wusste ich nicht mehr so genau, wie das vor zehn Jahren gewesen ist. Diese Berge … unbeschreiblich – alles im ersten Gang. Und auf einmal war ich oben, bei der Port d’Envalira … und von da ging es nur noch abwärts. In die umgekehrte Richtung da hoch zu klettern hätte ich mir echt nicht angetan … so ne Steigung …
In Andorra habe ich heute mehr Autos gesehen und mehr Lärm erlebt als auf der ganzen bisherigen Strecke. Da wird überall gebaut. Überall fahren Betonmischer herum. Und überall hört man Presslufthämmer.
Spanien hier fühlt sich ganz anders an als Frankreich. Die Leute sind noch freundlicher. So quirlig und heiter. In einer Bodega habe ich mir einen guten Wein empfehlen lassen. In etwa drei Tagen will ich am Meer sein … (Irgendlink live am Telefon, 11.5.10/ca. 21:45)
Intermezzo
Ax-les-Thermes – Mai 2000 und Mai 2010 (Backstage)
Vor zehn Jahren und neun Tagen war Irgendlink genau da, wo er heute ist. Geografisch allerdings nur, denn innendrin ist er – wie wir alle – viele Wege gegangen.
Irgendlink steht kurz vor dem Ziel. Kurz vor Andorra. Ob er es heute schaffen wird, den Pas de la Casa und somit die Grenze zum Kleinstaat Andorra zu überqueren? Ich fiebere mit, drücke Daumen und bin zugleich gewiss, dass sich eine gute Lösung findet. Immerhin hat er um vierzehn Uhr gesmst, dass ihm bloß noch dreieinhalb 2brücker Xberge vom Pass trennen.
Außerdem ist heute der bestwettrige Tag dieser Woche. Dennoch könnte der Pass mit seinen rund 2000 m. ü. M. unpassierbar sein. Oder so vollgeschneit, dass es neben kreuzenden Autos für einen Europenner keinen Platz hat. Alles möglich. Auch, dass Irgendlink einfach so passieren kann. Was ihm zu wünschen ist.
Vor zehn Jahren und neun Tagen schrieb Irgendlink, bevor er die letzte Etappe in Angriff nahm also in sein Tagebuch:
„Ein Bild ist nur dann ein Bild, wenn es gegenwärtig ist, wenn es erlebt wird. Kloputzer steckt mich mit seiner Fröhlichkeit an, er niest, ich sage Gesundheit. Er lacht; das ganze steht im Widerspruch zu Verdauungsgestörten …“
Vor zehn Jahren und neun, zehn, elf und noch mehr Tagen brauchte Irgendlink für die gleiche Strecke (Zweibrücken-Andorra) „nur“ siebzehn Tage. Manche geneigte Leserin und ebensolcher Leser fragt sich vielleicht, warum er diesmal gleich fünf Tage länger braucht?
Erinnert Ihr Euch? Gleich zu Beginn seiner diesjährigen Reise begriff der Protagonist dieses Blogs, dass es hier nicht um die Geschwindigkeit geht. Im Gegenteil, er plädierte für Langsamkeit, für Stillstand. Zweitens ist die Ausrüstung diesmal, dank mancherlei technischen Beiwerks, schwerer – sprich mehr Widerstand beim Fahren –, was der gewünschten und postulierten Langsamkeit* entgegen kommt. Drittens ist da die bereits erwähnte technische Ausrüstung, die nicht nur schwer, sondern auch wunderbar ist: Es lassen sich – ohne die unzähligen Filmwechsel von vor zehn Jahren – viel mehr wunderbare Bilder mitnehmen. Genüsslich fotografiert, wohlverstanden – eine tolle und eine zeitintensive Arbeit. Viertens ist das Wetter diesmal ziemlich unberechenbar. Bei Regen und Sturm lässt es sich weniger schnell fahren, und auch Umziehpausen beanspruchen Zeit. Und letztens? Das Ganze macht einfach Spaß und ist kein sportlicher Wettkampf.
Ich jedenfalls freue mich schon jetzt aufs Wiedersehen und die vielen, vielen Bilder …
(by Sofasophia)
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*Na ja, wie jemand, der pro Tag durchschnittlich siebzig Kilometer – mit einem dreißigkiloschweren Europennermobil zurücklegt – von Langsamkeit sprechen kann, wird mir wohl immer ein Rätsel bleiben …
Zweibrücken-Gibraltar 2010 Tag 21
Tag 21 – 10.5.2010
Varilhes – Ax-les-Thermes
Bin aufm Camping Ax. Direkt am Bach. Gute Tour heute (aus einer SMS vom 10.5.10/19:15).
… ganz entspannt heute im sonnendurchfluteten Ax-les-Thermes angelangt. Die N20 vermieden wo es nur geht und stattdessen lieber ein paar 2brücker Xberge erklommen. Aber im Prinzip ist die N20 fahrbar. Breit genug und nicht so viel los (aus einer Mail vom 10.5.10/20:27).
Tarascon – bis hierher die N20 auf der D8 umschifft.
Arriège in Tarascon.
fahr dran vorbei ouhshallala
Ax-les-Thermes – heiße Quellen in der Stadt, Casino und Kurgäste. Fließen drei Flüsse hier zusammen (oder mehr)
Ax
Zweibrücken-Gibraltar 2010 Tag 20 – die Bilder
Tag 20 – 9.5.2010
bei St. Paulet – Varilhes
Oberhalb des Ganguose-Stausees. Etwa 25 Oldtimer Motorräder überholen mich, winken mir zu, geben mir psychisch Rückenwind. Außerdem diese Oltimer auf der Suche nach dem Weg.
Blick von Montaut nach Mazères. Die untere Arriège ist ein Kilometerweites fruchtbares, topfebenes Gebiet.
Plakatierung in Montaut
Zweibrücken-Gibraltar 2010 Tag 20
Tag 20 – 9.5.2010
bei St. Paulet – Varilhes
… Regen und Sturm mal wieder (…) Als es gegen 9 Uhr anfängt zu regnen anfängt, kritzele ich noch schnell ein paar Zeilen im 2010-Zweibrücken-Andorra Blogformat (aus einer Mail vom 9.5.10/9:18)
Hier Wetter besser … diesig, windig … Bin in La Louvière-Lauragais, ganz oben. Nun runter ins Arriègetal … (aus einer SMS vom 9.5.10/14:55)
Bin mal wieder auf einem Camping. Diese Zelle hier toppt jene von früher mal in Sachen Schmutz. Stinkt total nach Hundesch … Ich glaube, in Frankreich wird das ganz anders gehandhabt … heute, unterwegs, war ich mal auf einem Dorfplatz. Voll Hundedreck. Echt, hier dürfen die Hunde offenbar überall … Das stinkt ganz schön…
Bin hier in einer Ortschaft namens … etwas mit V wars … habe den Namen vergessen. Ist etwa zwanzig Kilometer südlich von Pamiers und noch etwa fünfzig bis Ax-les-Thermes. War recht spezielles Wetter heute. Am Morgen hats geregnet, dann irgendwann aufgehört. Sonne hatte ich sogar. Und dann ein Gewitter! Mit Hagel! Zum Glück konnte ich mich bei einer Autowaschanlage unterstellen. Stell dir vor: da ist – weil es so heftig und so viel geregnet hat – das Wasser nicht mehr abgelaufen! Zwanzig Zentimeter Überschwemmung!
Konnte später zum Glück wieder weitergefahren … Nun habe ich die erst mal geduscht und jetzt koch ich mir dann was Feines. Mit Zucchini natürlich
… (Irgendlink live, am Telefon, 9.5.10/ca. 21:15)
Zweibrücken-Gibraltar 2010 Tag 19
Tag 19 – 8.5.2010
Nähe Vabre – bei St. Paulet
Boule am 8. Mai, dem Nationalfeiertag. In Lacrouzette. Ein wunderbares Konzert aufeinanderschlagender Metallkugeln. Hier treffe ich einen rennradelnden Jungen, der Zweibrücken auf Anhieb kennt. Er hat in der Partnerstadt Boulogne gelebt und war schon zum Schüleraustausch in Z.
Castres muss ich wegen seiner ovalen Straßennamenschilder auf die Liste der näher zu betrachtenden Städte setzen, direkt unter Lunéville. Unbedingt Stadtportrait-Kandidat.
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Alles supa, heiß und auf der D85 noch 17km bis Revel … (aus einer SMS vom 8.5.10/15:43)
Der Rigole de la Plaine, auch rigole du Canal du Midi genannt, ein ca 35 km langer Mini-Kanal, dessen Treidelpfad auf 13 km Länge ähnlich gut befahrbar ist wie der Bliestalweg, auf den restlichen 20 km etwa wie ein guter Feldweg (aus einer Mail vom 9.5.10/9:18)
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Bin am Rigole-Kanal bei St. Paulet, wild aber klasse … (aus einer SMS vom 8.5.10/20:36)


















