irgendlink

Weblog-Kompetenz seit 2001

Archive for the ‘alle seiten’ Category

Schmutz unterm Teppich der Erinnerungen

with 5 comments

kein-baden

Fotostreifzüge durch die große beschauliche Hauptstadt B. im kleinen Land Sch. führen mich u. A. zum Zentrum Paul Klee, wo man die Straßennamen sinniger Weise nach Titeln seiner Bilder benannt hat: Teppich der Erinnerungen etwa; mein Gott, was gäbe ich darum, wenn ich sagen könnte, “ich wohne Teppich der Erinnerungen 31337.” Welch grandiose Adresse. So begnüge ich mich, die Schilder auf Speicherchips zu bannen und überlege, während ich durch das moderne Wohnviertel radele, einen Blogartikel, der sollte heißen Schmutz unterm Teppich der Erinnerungen; tragend sollte er sein und voller Würze, etwa eine Mischung aus Lebensratgeber und Schmachtschmonzette, also etwas Ernstes für die Sinnsuchenden unter den Lesern mit einem bisschen Tränendrüsendrücken und ein wenig Schmunzeln.

Wie das so meine Schreibart ist.

Aber verflixt, ich kann jetzt keinen tiefgreifenden Artikel schreiben. Es überkommt mich stets eine unheile Eile, wenn ich in fremden Landen konsequent denken soll.

Obiges Bild wurde in der Hessestrasse gleich hinterm Kleezentrum aufgenommen, ein schmuckes Arreal mit Teich und Schilf und schönen Terrassen, zu sehen eine Boje, die das Baden im Teich der Wohnanlage verbietet.

unheile-eile

Written by irgendlink

Oktober 14th, 2009 at 7:07 pm

Posted in alle seiten

Was könnt ihr mir geben!?

with 5 comments

Ein zu großes Spektrum im Kopf. Vielleicht ist das der Grund dafür, dass es schwierig ist, die Dinge aufzuschreiben. Schließlich besudelt das Konglomerat unserer Erinnerungen doch stets auch die kristallklare und einzigartige Gegenwart, so dass es sein kann, dass ein erlebter Moment sich mit Gefühlen und Ideen mischt, die Jahrzehnte zurück liegen. Dem Kopf ist das scheißegal. Er denkt und denkt und denkt und der Körper unter ihm durchlebt und durchlebt und durchlebt.

Ist über zehn Jahre her, dass ich am Kaffeetisch saß mit meiner uralten Oma, die obendrein Schwierigkeiten hatte mit dem Denken, wie das bei alten Leuten so üblich ist und sie herausplatzte:”Was könnt ihr mir geben, was könnt ihr mir geben, was könnt ihr mir geben …?” und alle am Tisch sie anstarrten und nicht wussten, was sie damit sagen wollte; nach einer Weile hörte sie ganz von selbst auf, zu quengeln, aber ich merkte mir den Spruch, oder soll ich besser sagen, mein Hirn speicherte den Spruch bis vorgestern in einem Monstermedienmarkt, wo es allmögliches Zeug zu kaufen gab und ich nach getaner Arbeit zwischen den Regalen schwadronierte und Ausschau hielt nach dem ultimativen Produkt. Ein DVBT-Empfänger wäre nicht schlecht oder die dritte Staffel Prison-Break oder ein Drucker oder ein digitaler Bilderrahmen, siehmal, die stehen ganz vorne bei der Kasse und sind echt billig. Als ich noch im Amt ohne Wiederkehr gearbeitet habe, habe ich erfahren, wie natürlich es ist, aus Frust einkaufen zu gehen und sich dadurch, dass man ein schönes Ding für sein sauer verdientes Geld kauft, ein bisschen entschädigt für die schreckliche Qual, die man in der Lohnsteuerklasse-Eins-Hölle erdulden muss. Meine Schwester hat mir das Problem schon vor 15 Jahren erklärt, wie sie teure Handtaschen, gemacht aus dem Leder junger Schlangen kaufte, um sich besser zu fühlen um 17Uhr30 nach einem elend verwirkten Achtstundentag.

Wir Lohntacker sind grundlegend glückliche Wesen. Auch wenn es manchmal hart rangeht und wir in kürzester Zeit Unmengen Möbel bauen, haben wir dennoch wunderbare Tage, in denen wir derb bis philosophisch scherzen und dadurch unser Leben versüßen. (Nicht zuletzt verdanke ich das dem glücklichen Umstand mit dem besten Kollegen der Welt, T., zusammenarbeiten zu dürfen.) Wir Tacker müssen abends nicht zwanghaft in Kaufmannsläden nach Taschen aus Schlangenleder Ausschau halten. Aus purer Gewohnheit in der Zeit im Amt ohne Wiederkehr, schaute ich in dem Medienladen vorbei, Phantomschmerz könnte man das nennen, stellte aber fest, es ist nicht nötig, einen Gegenstand zu kaufen, um, glücklich zu sein, denn der Tag in der Möbelwerkstatt war erfüllt genug, schon verlasse ich den Laden mit dem klasse Spruch meiner Oma, nach all den Jahren noch immer im Hirn, was könnt ihr mir geben, was könnt ihr mir geben, was könnt ihr mir geben und zeige nicht das geringste Erbarmen, als ich auf den Schnäppchenregalen neben der Kasse voller willenloser Gegenstände lese ” Nimm mich mit” oder “billig wie nie zuvor”.

Was könnt ihr mir geben?

Wenn es nur Tacker gäbe auf der Welt, dann wäre sie auch noch in Ordnung. Es gäbe keine Kriege, keinen Neid, keinen Hass, keinen Frust und es würde auch nichts Ungetackteres produziert, konsumiert, verkauft, verurteilt, freigesprochen, gekauft, verwaltet, gegessen, getrunken, oder benutzt, um sich den Hintern abzuwischen. Jaja, die Welt wäre eine Glücklichere, wenn es nur Tacker gäbe. Große Bücher würden geschrieben und an langen lauen Sommerabenden säße man auf frisch getackerten Loungemöbeln beisammen, um in großen Stadien, die mehrere 100.000 Menschen fassen den neuesten Tackergedichten zu lauschen:

Tack!

Tack auch, wie gehts?

Solala, hab doch tacksächlich im Lotto gewonnen!

Näh. ächt, Tackelnocheins, du hass aber n Glück.

Joa, geht so, Hauptewinn war ne Eintrittskarte zur Tackerlyriklesung.

TickitackTickitack, Det is dein Glückstack.

Wills mittkommn?

Yep …

Uns so weiter und so fort. Die Tackerlyrik ist eine einfache, bahnbrechend nobelpreisverdächtige.

Written by irgendlink

Oktober 9th, 2009 at 10:08 pm

Posted in alle seiten

Zweischneidigkeit

with 4 comments

Über die Zweischneidigkeit der Entscheidungen wollte ich schwadronieren, ist schon paar Tage her. Ich vermutete ein Irgendlinksches Problem, das sonst niemanden betrifft, aber vielleicht ist es doch allgemeingültig und auch andere Menschen hadern mit Entscheidungen?

In der Regel sind Entscheidungen leicht zu fällen. Ja und Nein sind klar getrennt. Auf einer Skala hat man sich die Vor- und Nachteile der jeweiligen Entscheidung notiert und es dominiert normalerweise eine Seite. Was aber, wenn Ja und Nein, bzw. die Argumente für Ja oder Nein derart eng zusammen liegen, dass es fast egal ist, ob man Ja oder Nein sagt? Beide Werte sind gleich-gültig. Dann hat man ein Problem. Messers Klinge beidseitig verletztend scharf. Egal was du tust, die andere Seite wird Dir eine Verletzung zufügen.

Diesertage im Univerum Irgendlink so viele dieser Entscheidungen, sei es nur, der armen Redakteurin D. zu verkünden, dass ich, Monsieur, Kaiser und Gott, nicht mehr für sie schreibe – mit dem Nein kommen die Gewissensbisse und die Reue, ich hätte können auch Ja sagen. Doch nun ist es zu spät. Der Job ist weg. Gehe nicht über Los, gehe vor allem nicht zu dem brechreizerweckenden Chöretreffen irgendwo da draußen auf dem Land, um darüber einen Artikel zu schreiben. Ohja, so zweischneidig war die Sache vielleicht gar nicht. Nicht dem Chörewettsingen beizuwohnen ist eine Großtat, Monsieur Irgendlink.

Oder die Karre, die Monsieur kaufte: schon gleich nachdem ich den Kaufvertrag unterzeichnet hatte kochte Reue, wie kannst Du nur, das ist unglaublich, soviel Geld kannst du in zwei Jahren nicht ausgeben und bist du dir darüber bewusst, dass du gerade zwei Jahre Leben geopfert hast, nur um ein Auto zu besitzen? Zwei Jahre Leben allerdings, in denen du mit dem Auto ans Nordkap fahren kannst, oder nach Griechenland oder nach Bern ;-) . Okay. Das Auto ist eine Fehlinvestition, verleitet zu Faulheit und Dekadenz, aber triff mich die Schuld? Naahhein, schuld sind die Erbauer … welch eigenwillige Kunstbübchenmentalität.

Wassen noch auf meiner Liste der Zweischneidigkeit? Ein Wichtiges war noch, bei dem Ja und Nein derart dicht, geradezu untrennbar beieinander lagen, dass es unweigerlich wehtut, eine Entscheidung zu treffen? Ach ja: ich arbeite wieder als Tacker. Die positiven Seiten des Tackerns: während man schöne Möbel baut, kann man mit Kollege T. prima Quatsch machen. Negativ: jede Menge Lebenszeit an windige Lebenszeitspekulanten verkauft.

Bilanz: Über dem Ja steht knapp jene Phase der Großworte, in welcher ich mit Kollege T. diskutierte, wie unsere Biografien, die unbedingt geschrieben werden müssen, heißen sollen. “Ich T., Tacker und Gott”, sag ich ihm, “das wär doch ein guter Titel für deine Biografie?” “Mhm, nicht schlecht. Und die Biografie vom Owner?” fragt T. “Ich bin dann mal Chef”, schieße ich heraus. Wir lachen. “Meine Biografie?”, schaue ich herausfordend zu T. der gerade ein neues Möbelstück fertig gestellt hat. “Tritt näher, er ist kürzer als du denkst”, frotzelt er. Mistkerl.

Aber hey, ich kann doch meiner Biografie keinen Titel geben, der über fast allen Urinalen zwischen Rostock und Saarbrücken prangt, oder?

Kurzum: mein Ja zum Job als Tacker ist alleine durch den obigen Dialog mit Kollege T. gerechtfertigt (der wäre nie dialogisiert worden, wenn ich nicht wieder als Tacker arebiten würde). Ihr seht, die Entscheidung ist verdammt knapp.

Written by irgendlink

Oktober 7th, 2009 at 10:48 pm

Posted in alle seiten

without comments

40

Written by irgendlink

Oktober 6th, 2009 at 10:06 pm

Posted in alle seiten

with one comment

kakalake

Written by irgendlink

Oktober 6th, 2009 at 9:34 pm

Posted in alle seiten

Ank

with 3 comments

leben-verboten

Written by irgendlink

Oktober 4th, 2009 at 9:49 am

Posted in alle seiten

Indianderdilemma

with one comment

Diese uralte Geschichte vom Indianer und dem Siedler spielt sich auf dem einsamen Gehöft ab. Es wird ein harter Winter werden. Über die Schlucht höre ich das Gekreische von Nachbars Kreischsäge (Kreischsägen heißen Kreischsäge, weil sie so laut kreischen). Der Winter wird hart, denke ich und kurbele die Säge an. Dies wiederum klingt wie “Verdammt harter Winter” in Nachbars Ohren und er sägt umso mehr an seinem Wintervorrat. So sind wir gefangen im klassichen Indianderdilemma. Zum Glück gibt es soziale Netzwerke: “Erwartest du einen harten Winter?” schicke ich eine Nachricht.

“Nö, aber du offenbar!?”, mailt er zurück.

“Tu ich nicht.”

“Lass uns ein Bier trinken.”

Langsam wird es kalt; ein zausiger Wind greift aus Nordwest.

Written by irgendlink

Oktober 4th, 2009 at 8:49 am

Posted in alle seiten

Die Straßen von Bern

with 2 comments

kran-bern

Ein Bild aus der Bern-Serie (zum Vergrößern bitte anklicken) – auf vielfachen Wunsch :-)

Written by irgendlink

Oktober 3rd, 2009 at 9:46 am

Posted in alle seiten

Call my Streetname und andere Obskurismen

with 2 comments

fussball-schizo

Symbol für die Zweischneidigkeit von Entscheidungen. Dass der Konflikt zwischen Wollen und Nichtwollen bis in die Amtsstuben durchschlägt ist sicher ein Novum. Was im privaten Bereich so menschlich ist, gereicht auf diesem Berner Spielplatz ins Groteske. Aufgenommen im “schwarzen” Viertel, den Matten im Aaarebogen. Bern ist für den Straßennamenfotograf ein Zuckerstückchen: jedes Quartier hat seine eigene Straßennamenschilderfarbe ( daher schwarzes Viertel, denn die Straßennamen dort sind weiß auf Schwarz; mit dem gelben Viertel bin ich durch; grün und schwarz teilweise fotografiert). Bern scheint eine gute Chance, eine europäische Hauptstadt komplett auf diese Weise (Fotoserie mit Leitmotiv Straßennamenschilder) zu portraitieren.

Die Serie Call my Streetname (Stadtportrait auf Basis der Straßennamenschilder) habe ich 2003 begonnen, seither etwa 10 Städte derart “gescannt”, u. A. Berlin und Mainz. Derzeit arbeite ich an Saarbrücken. Faszinierend an der Sache ist die Art, wie man sich einer Stadt touristisch nähert. Wenn man es konsequent durchführt, kommt man in jedes Stadtviertel und entdeckt die geheimsten Ecken; Szenen wie Obiges zählen ebenso zu dem Kunst- und Erlebniskonzept, wie die “echten” Sehenswürdigkeiten. Nach einer solchen Session könnte ich getrost Taxifahrer in der jeweiligen Stadt werden. Für meine Heimatstadt Z. (ca. 35.000 Einwohner habe ich 2003 bei 4-5 Arbeitsstunden pro Tag etwa eine Woche gebraucht. Berlin würde mindestens ein halbes Jahr dauern (dort habe ich 2004 im Rahmen eines Stipendiums die gesamte Gropiusstadt (so groß wie Z., aber wegen der Hochhäuser weniger Fläche und somit weniger Straßen) derart protraitiert und ein Gutstück Mitte, Neukölln und Kreuzberg).

Unten ein Screenshot (anklick zum Vergrößern) aus dem Dateiordner eines der Mainz-Arrangements. Die künstlerische Arbeit geschieht in 3 Stufen: 1. Fotos sammeln, also die jeweilige Stadt  geradezu scannen, dabei die Standards (schöne Touri-Fotos) nicht vergessen, aber auch das Marode und Abstruse in die Serie aufnehmen. 2. Bilder archivieren, versuchen das Typische zu erkennen und dies bei Schritt 3, der Komposition der 1×1 Meter großen Bildtafeln berücksichtigen (in Mainz etwa war ein Thema die unterschiedlichen Straßenschilderfarben, rot und blau, welche Aufschluss darüber geben, ob die Straße in Richtung Rhein führt oder neben dem Rhein her läuft; in Z. generierte ich die Bildtafeln nach den im Einzelbild vorherrschenden Zweite-Klasse-Motiven, den Motiven, die sich im Hintergrund auf die Bilder mogelten und die immer wieder kehrten). Die Gropiusstadt ist nach Tageszeiten bzw. nach Farbstimmungen sortiert (es gibt eine Nacht-Bildtafel, die sehr gelungen ist, auf der nur Fotos zu sehen sind, die ich bei Nacht aufgenommen habe). Ein Call-My-Streetname-Portrait-Bild besteht aus 56 Einzelfotos, wobei die Straßennamen das Leitmotiv sind. Mainz ist auf insgesamt 9 Bildtafeln a 1×1 Meter dargestellt. Es gibt auch eine eigene Mainz-Postkarte.

mz-screenOben Rohmaterial der Bildtafel Mainz 1

Written by irgendlink

Oktober 2nd, 2009 at 8:50 am

Posted in alle seiten

with 3 comments

Zwei neue Kunstwerke fertig gerahmt. Könnte sie für 25 Euro verkaufen. Auto zulassen, Fahrzeugzulassungsstellenfrau Gummiebärchen geschenkt, ohja, ein moderner Robin Hood, das bist Du nimmst die Gummiebärchen von der Autokennzeichendruckerei und verteilst sie unter den armen Fahrzeugzulassungsstellenfrauen – nebenbei gurgelt das Hirn und phantasiert: mit der neuen Karre so weit nach Norden fahren, wie es geht, dann Schneepflug mieten und fahren bis das Benzin all ist. Notiz an mich selbst: der Waterframe – unbedingt die Aggregatszustände des Wassers beachten! Leben kommt wieder in ruhige Bahn.

Written by irgendlink

Oktober 1st, 2009 at 11:19 am

Posted in alle seiten