Die lange Disco-Nacht mit DJ Sören Uflsen und MC Knut. Nicht. #kursnord

Yeah, ordentlich abhotten, frisch geduscht, halb angezogen, den Zeigefinger am ausgestreckten Arm in die Luft gereckt wie so ein Disco-Stu (Simpsons), rhythmisch Handtuch rubbelnd zwischen den sechs unbenutzten Waschbeckenplätzen und den drei Duschen und den vier WCs und den beiden Urinalen. Ich bin so schamlos alleine im Männerwaschhaus des Oknö-Campings und gerade läuft Abbas Mamma Mia , ouh shallalaa, im Radio, das man in machen Toiletten mancher WCs überall in Europa manchmal vorgedudelt bekommt. Die lange Abba-Nacht. Mit DJ Sören Ulfson und MC Knut … Träum weiter, Irgendlink, träum weiter.Zack, geht die Tür auf und ein Mann stellt sich, in klarem Deutsch Guten Abend sagend stratzend ans Urinal.

Frau SoSo hat das Nachbarduschhaus für Frauen längst verlassen, als Abba wie Gift in ihre Ohren drang. Aber so sind wir, so verschieden, so gegensätzlich. Nie werden wir eine gemeinsame lange Abba-Tanznacht verbringen.

Über eine hunderte Kilometer lange Autofahrt, meist auf der E22, die Schwedens Ostseeküste folgt, haben wir aufgehört, die Kilometer zu zählen. Wir dürften auf einem Punkt auf der Landkarte irgendwo zwischen Stockholm und Malmö sein, ganz nahe bei Kalmar, jener Stadt, die über eine Brücke das längliche Eiland Öland mit dem schwedischen Festland verbindet und das Eiland ist bestimmt hundert Kilometer lang und zieht sich von Nord nach Süd oder vielleicht auch zweihundert Kilometer lang. Ich will gar nicht messen.

Über Landschaften will ich berichten. Jene maigrün rapsgelb frische Gegend, die wir verlassen haben zum Beispiel. Eine hügelige Gegend, sehr landwirtschaftlich genutzt, in Schonen, Schwedens südlichstem ja was ist das, kein Bundesland, Kanton? Region? Egal. Relativ dicht besiedeltes Gebiet, dennoch aufgelockert mit kleinen feinen Farmchen auf noch frisch bestellten jungaufkeimenden Äckern. Dahinter eine Zeile Wald, eine Lindenallee, irgendwo auch größere Forste und immer wieder bleckt die schillernde Ostsee zwischen Hellbraun und Grün und gelb. Der Frühling hinkt gut zwei Wochen, vielleicht sogar vier hinter unserem Frühling her. Manche Bäume haben noch gar kein Laub.

Ich erinnere mich an die Radtour 2015 #AnsKap, die tagelang dauerte, sprich, was wir in einem Tag auf #KursNord motorisiert durchbrausen, hatte damals ewig gedauert und ich erinnere mich an die geologische Erfahrung, die ich da machte. All die Einschnitte der Straßen durch Felsen unterschiedlichster Couleur, unterschiedlichsten Alters, unterschiedlichster Herkunft. Tiefe Einschnitte zeigt auch die E22 ungefähr hier in dieser Gegend, die sich Småland nennt, dem zweitsüdlichsten nein nicht Bundesland, auch nicht Kanton, dem zweitsüdlichsten Irgendwas Schwedens. Ist das Basalt oder Granit oder vulkanisch oder gletscherlichen Ursprungs? Ich weiß es nicht, dazu bin ich geologisch viel zu unkundig. Ganz klar dürfte die bombastische Gegend ab Kalmar nördlich parallel zur Insel Öland glazial entstanden sein. Man verzeihe den Fachausdruck, den ich irgendwo zwischen zwei Hirnzellen hervorgekramt habe und vielleicht ist er ja falsch oder alles ist falsch. Egal. So sieht es hier aus: Wald, Wald, Wald, alle Straßen, außer der E22 winden sich unheimlich kurvig durch die Wälder, sanft auf und ab über Hügel. Manche sogar ungeteert als fest gefahrene staubige Schotter- und Sandpiste. Wo Felder sind, hat man die Steine herausgeräumt und als Umrandung und Grenze zu etwa ein Meter dicken Mauern aufgeschichtet. Manchmal liegen runde riesige Steinhaufen mitten im Acker. Die Steine messen gut fünfzig Zentimeter, oft auch mehr, hellgraue Etwase. Im Kiefernwald liegen die Findlinge wie damals als sie abgelegt wurden, halbbemoost und beflechtet zwischen den Bäumen und das Meer ist übersät von winzigen bewaldeten Inseln. Viele Eichen mit jahrhunderte dicken Stämmen, teilabgestorben, halb tot, halb lebendig und besonders bizarr wirkt die Szene, wenn sie ganz abgestroben sind, Ruinen jahrhunderte alter Lebewesen, die vielleicht sogar den Dreißigjährigen Krieg erlebt haben?

Ich habe Schweden nunmehr zwei Mal von Süd nach Nord per Fahrrad durchquert, wobei ich nur das Inlandsschweden kennen gelernt habe. Heuer folgen wir der Küste und ich bin hellauf begeistert von der Wunderbarkeit dieser Landschaft. Zudem spült der ‚finnische Brutofen‘, so will ich es mal in Meteorologie-Neusprech spektakulär nennen eine ungewöhnliche Hitzewelle übers Land und wenn man den Presseberichten glauben darf, bleibt das Frühsommerhoch noch eine Woche stabil mit Temperturen bis über dreißig Grad. Angeblich, denn bisher fühlt es sich normal an (die Prognose, die ausgedruckt in der Rezeption vorliegt, sagt jedenfalls normale Temperaturen um 16 Grad voraus. Nix Finnenschwitzkasten).

Keine Spur von meteorologischem Mamma-Mia-Feeling.

Wir legen heute am  fünften Tag der Autotour einen Ruhetag ein, haben Fahrräder gemietet und radeln von der Halbinsel nach Mönsterås.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.