Gedanken zu Prozessualer Kunst – reblogged

Lieben Dank an Freund Emil für seinen heutnächtlichen Blogartikel

Fernwehleidig hinterherträumend dazugesellen #ansKap,

aus dem ich nachfolgend zitieren darf:

Ein Kunstwerk

Ein Kunstwerk, das ist etwas Fertiges. Ein Photo. Ein Buch. Ein Gedicht. Ein Film. Ein Gemälde, ein Kupferstich, eine Skulptur, eine Plastik. Ah ja. Und wie ist es bei einer Komposition, einem Drama? Die brauchen doch auch die gegenwärtige, im Moment stattfindende Aktivität von Schauspielerinnen und Musikern, Sängerinnen und Tänzern. Erst im Prozeß der Darstellung/Darbietung des “Kunstwerkes” wird das Kunstwerk daraus. Ist es bei dieser Reise #ansKap nicht ähnlich: Betrachten wir da nicht ein Kunstwerk, das gerade aufgeführt, dargeboten, gespielt, gelebt und Er-lebt wird? Er-lebt wie Erschaffen? Erfahren? Und das alles im wahrsten Wortsinne!?

Das Kunstwerk ist nicht das hinterher erhältliche e-Book, es sind nicht die iDogma-Karten, die Fotos. Nein. Das Kunstwerk ist, was gerade in diesem Moment geschieht. Wie bei einem absolut geilen, frenetisch extatisch erlebten Live-Konzert meiner Lieblingsband. Die CD, die ich mir dort nach dem Konzert kaufe, dient nur dazu, mein Kunsterleben erinnerbarer zu machen. Und jeder Moment Kunst, den der Künstler schafft, kostet ihn Anstrengung, im Zweifelsfalle Geld (für die SIM-Karte des Telefones und die entprechenden Gebühren) oder Zeit oder eben, wie er im von mir erwähnten Artikel schreibt, auf dieser Reise eben Kilometer. Der schriftstellernde Appspressionist und Radfahrer als darstellendern Künstler …

Und glaubt mir bitte: Auch andere Kunst erfordert Schweiß und Blut und kostet. Mag sein, daß dann solche wie ich, die sich aus prinzipiellen, persönlichen Gründen bezahltem Kunstschaffen verweigern (naja, wahrscheinlich wird jedes Prinzip irgendwann zumindest einmal gebrochen), die Achtung vor der Leistung einer Künstlerin/eines Künstlers “versauen”, so wie andere Billigheimer woanders die Preise “versauen”. Mit dem (Selbt-)Vorwurf muß ich leben; aber ich muß nicht von meiner Kunst leben. Ich würde das aber ganz sicher gern tun, wenn es möglich wäre; allein daran fehlt mir echt der Glaube, und der Selbstwert und die Zuversicht und der Wille dazu fehlen mir im Moment auch.

Aber der/die da, der/die jetzt in Schweden irgendwo in seinem Zelt/ihren Zelten liegen und tief und fest schläft/schlafen, der ist/die sind dort nicht (nur) zu seinem/ihrem Vegnügen unterwegs. Sondern nimmt/nehmen den ganzen Weg auf sich zu meinem, zu unserem Vergnügen, die wir uns an diesem Prozessualen Kunstwerk #ansKap in all seiner Vergänglichkeit und Konservierbarkeit erfreuen, es ohne Anstrengung genießen können.

(Quelle: Der Emil)

Zum Originalartikel, der noch mehr  über Irgendlinks Projekt verrät, gehts hier → lang.
Herzlichen Dank, Emil!

7 Gedanken zu „Gedanken zu Prozessualer Kunst – reblogged“

  1. Darstellende Kunst ist aber (für mich) etwas ganz anderes als das, was Ray und Irgendlink gerade tun. Und Aktionskunst stelle ich mir kurzfristiger vor. Mir fehlt sozusagen die Schublade, in die ich #ansKap einordnen möchte (ja, ich brauche Namen für Dinge, Einsortierhilfen), ich mag das nicht einfach nur so in meinem Denkraum herumhängen lassen …

    Ich hab’s in diesem Jahr mit der Kunst: fragmentarisch exakte Kunst, prozessuale Kunst, künstliche Kunst (kommt noch). Schon irgendwie seltsam, das.

    1. Das tolle an der Reise, die gerade durch Endmoränengebiete führt, ist, dass man sich im Anblick dieser uralten Felsbrocken in aller Demut so klein und unbedeutend fühlt, wie man es für ein Erdzeitalter tatsächlich ist. Nichts wird von uns Menschheit bleiben. In zehn zwanzig Millionen Jahren sind wir alle wieder zerrieben in Moleküle, sind Luft, Wasser, Steine. Auch die Bauwerke, Radwege und Autobahnen. Deshalb müssen wir den Moment leben. Diese wenigen zigtausend Jahre Menschheit wie die wenigen Jahre wir selbst.

      1. Das fasziniert mich grad auch so:
        Ein Menschenleben mit all seinen Sorgen, Freuden, Kämpfen gegenüber dem Großen Ganzen.

        Verrückt!
        Danke euch beiden fürs Denk- & Herzfutter!

        Du Lebende Statue der Straße – in Motion!

      2. Und doch bist Du für den einen (mich) oder andered mehr als alle diese Brocken und all die Jehrmillionen zusammen. Du nämlich schaffst gerade eigene Welten, von denen keiner weiß, wie und wo sie nach dem Untergang dieser Welt weiterexistieren.Jeder Gedanke, Jeder Satz kann doch ein ganzes Paralleluniversum schaffen ! (Und jetzt beweis mir einer, daß das NICHT geht.)

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