The Omelette Situation #AnsKap

Joseph sollte ich erwähnen. Wir erkennen einander an einem Dorfbahnhof. Er jenseits des Gleises, ich diesseits. Winke ihm zu. Er winkt zurück. Das ist nicht irgendso ein Passant, dem man beiläufig den Gruß erbietet, denke ich bei mir, radele weiter, fotografiere eine Hauswand. Da kommt er schon um die Ecke mit seinem Radel. Hat den Zug nach Kusel verpasst. Spricht Englisch, ist Amerikaner. Nein, kein Soldat, wie man hier in der Gegend um die Airbase Ramstein erwarten könnte.

Eher das Gegenteil. So eine Art Buddha. Auf der Suche. Mit den Jahren weise geworden, eine ruhige Seele im Einklang mit der Natur.

Wir radeln ein Stück und setzen uns dann auf eine Bank unter einer verdrehten Kastanie. Ein vergleichsweise junger Baum, nicht so wie die mehrere Meter durchmessenden alten Kastanien, die ich aus dem Tessin kenne.

Ich soll den Baum anfassen, mit ihm reden, erkennen, dass alles Eins ist, dass wir Lebewesen und auch die Steine miteinander verbunden sind und das ist mir ja schon auch klar, auf meine rationale Weise, aber ich kann das nicht fühlen.

Da lacht er, Joseph, erzählt von seinem Haus und seiner Fmilie und dass er fünf Jahre um die Welt gereist ist, Himalaya, Indien, auf dem Amazonas mit einem Hausboot. Nun leben sie hier und sind irgendwie anders. So dass es mit den Dorfbewohnern nicht immer einfach ist.

Fast wie wir Künstler, sage ich. Ja. Künstler sind so Wesen, die man beargwöhnt. Weil man sie nicht einordnen kann.

Künstler sind keine Bäcker. Sie sind keine Steuerfachgehilfen und auch keine Maurer. Sie lassen sich nicht einsortieren. Sie sind wie die Welt. Vieles in Einem und alles miteinander in Korrespondenz.

Joseph lädt mich ein in sein Haus, ich soll mir die blaue Sonne ansehen, die er über das Tor gemalt hat. Den Hahn namens Bob und seinen Buddha, der hinten im Garten in einem Schrein steht.

Ich kann Entschleunigung gut brauchen, also radeln wir zu ihm nach Hause.

Insbesondere am Beginn einer Reise ist es wichtig, den eigenen, inneren, enthusiastischen Schweinehund ein bisschen auszubremsen.

So lande ich in dem alten, verwinkelten Haus, das unheimlich gemütlich ist und mache einen Parforce-Spaziergang durch das Leben von Joseph und seiner Familie. Es erstaunt mich immer wieder, wie nahe man sich im Vorbeigehen kommen kann.

Ein Omelette? Du bist doch hungrig, fragt er. Ich auch, sagt er. Und legt los. Franzöische Art drei Eier, Wasser, Gewürze, dann Käse draufreiben und zusammenrollen.

Wir essen aus einem Teller, jeder von seinem Ende des Omelettes bis in die Mitte.

Dass ich darüber schreibe, erwähne ich in einem Nebensatz.

The Omelette Situation, sagt er.

Hey, und das ist doch ein guter Titel für einen Blogartikel. Hat was wie Pulp Fiction, nur unblutig.

Nun sitze ich hier, einen Tag später auf einer Bank zwischen Gensingen und Dietersheim. Das Handy liegt auf einem Betontisch. Kalt ist er und hinter mir in der Sonne brutzelt die Solarzelle zwei Zwischenakkus voll.

Heute will ich noch nach Mainz und möglichst noch weiter bis in die Gegend um den Windsor Weinberg, irgendwo am Main außerhalb von Kastel.

31 Gedanken zu „The Omelette Situation #AnsKap“

  1. Das ist eine für mich kaum nachzuvollziehende Steigerung (was ist das Gegenteil davon: Erniedrigung? Reduzierung?), die Du da beinahe nebenbei ganz nebensächlich aufscheinen läßt:

    Bist entschleunigt mit dem Fahrrad unterwegs und hast Entschleunigung, Abbremsung nötig?

    Ich versuche das gerade zu verstehen, nachzuempfinden. Es ist schwer.

  2. das ist das, was Reisen für mich ist, anhalten, dem Plan nicht stur folgen und die Einladungen annehmen, wie sie gerade fallen- was für eine feine Begegnung!

  3. Ach, weisst was … Beate und ich fahren heute Nachmittag nach Rehweiler … Sonne suchen … und den Hahn … und wenn uns Buddha begegnet, dann erzählen wir ihm, dass wir den Mann auf dem Fahrrad kennen ;). Nee … Eier verlangen wir nicht *gg*.

  4. Hallo Juergen,
    das „like“ hier kommt ueber mein Smartphone. Z.Zt. kann ich auf meinem Laptop weder in Firefox noch in Google Chrome Deine Postings „liken“. Wenn’s also mal ausbleibt, fuehle Dich auch so „geliked“.
    Weiterhin gute Reise,
    Pit

  5. Die Weltachse … dort, wo sie nach Rehweiler abgebogen ist, fanden sich zwei Pfälzer wieder und standen gegenüber des Hauses, zu dem uns zwei amerikanische Frauen auf die Frage „the old school house ?“ hin geschickt hatten.

    Keiner da, keine Klingel vorhanden, niemand läuft hinter der offenen Türe rum.

    Kleiner Spaziergang. Ha … Fahrradweg gefunden, auf dem eben noch der einsame Held von irgendlinks her gekommen ist.

    Wieder zurück beim Haus … da ist ja eine Glocke … scheint die Klingel zu sein … eintönig hell klingt das Glöcklein zweimal, da kommt ein Mann mit Rätsel in der Stirn zum Vorschein.

    Ich sage „you remember the omelett-situation“ … der Mann schaut mich an, als wären ihm noch nie gebratene Eier begegnet. Hab ich genuschelt ? Ich sage schnell „yesterday, the jürgen rinck, the man with the bycycle“ … da kommt die Antwort „aaah … is this your son ?“.

    Mein Gott muss ich alt oder der Jürgen jung aussehen … komm an mein Herz, Junge.

    Auf englisch sage ich noch, dass ich vom Blog das alles weiß und der Jürgen nur positiv geschrieben hat … bleiben dürfen wir nicht, denn um 20 Uhr ist Unzeit … die Kinder müssen in die Betten hinter der Weltachse gebracht werden. Wenn wir nochmal kommen, dann aber um 15 oder 17 Uhr, dürften wir auch rein, doch so spät so sorry geht nicht.

    „Wir wären nicht normal“ … diese frohe Botschaft gab der Herr uns noch mit. Er auch nicht. Wie schön. Und das in Rehweiler, einem kleinen Kaff, wo man alles, nur nicht „nicht normal“ sein darf. „Wir leben alle auf dem gleichen Planeten“ sagt er noch … tja, theoretisch schon.

    Ich lass mal die Achse da als Beweis, dass ich mir das alles nicht nur ausgedacht habe ;)).

    Weltachse Rehweiler

      1. @SoSo: Meint Engelbert etwa DIE Weltachse? „Unsere“ Weltachse? ;-)
        Wird höchste Zeit, dass Herr Irgendlink endlich wieder heimkommt… ;-)
        Andererseits, auf ein paar Monate und ein paar tausend km mehr oder weniger kommt es uns nun auch nicht mehr an, gell? Aber wir bleiben auf jeden Fall an der Weltachse dran! Ich geb die Hoffnung nicht auf! Irgendwann schaffen wir Vier das und stehen gemeinsam dort!!! :D
        Dir und allen, die hier (mit)radeln, einen schönen Abend,
        Andrea

        1. Heut hab ich mir den ganzen Tag gewünscht, einfach nur in de Palz und im Saarland kreuz und quer radeln zu dürfen. Statt da nauf in die Kälte und zu den Mücken.

      1. „Writing you from the Axis Mundi of the world“

        Dear wonderful expressions of infinte consciousness and ego’s,

        Only disturbed people can be disturbed…

        You are welcome to visit this location in which our souls have incarnated for this particular journey.
        We have 1400 sq ground for those who wish to visit and camp for a night or 2…or 3 or 4 or when we run ot of egg’s.
        As much as we enjoy surfing many levels of realities. we do have 2 very bright little lights in which have incarnated to stay with us for this journey, and we have accepted the job of keeping them heathy and well rested, so they can create and express their realities.

        Bountiful Joy to all

        Omelette‘ available when Bob’s girls give us eggs.. Unless we eat them first..

    1. His Lord Majesty Joseph and his Family is inviting these 2 worthy souls to come for „Omlette’s“ and smile’s on Sunday, 21-June-2015 @1300…

      Bountiful Joy For All….

          1. Sorry, wir hatten vergessen, Engelbert und Beate für Sonntag einzuladen, die Einladung war ursprünglich für die Beiden gedacht, wir hatten nur vergessen die Namen einzusetzen. Kommenden Sonntag, den 21.06.2015 um 13 Uhr bei uns zum Omelettessen.

            Mit der Verordnung von Lord Joseph

        1. Brother, we decided to open our land and home for travellers, backpackers etc. When you come home we wil spend much loving and interesting time together.
          Please spread the word…
          It is time for a new world and that starts with us…

          Bountiful joy to all…

  6. Wenn der Herr der Weltachse zum Mittagessen einlädt, dann werden am Sonntag Mittag die zwei aus dem südlichen Nebelland aufbrechen und auf große Fahrt gehen. Dorthin, wo die Rehe wohnen. Und die Eier kaputt gehen ;).

    So many thanks for the invitation … wir sind geplättelt (eigentlich gibts das nicht, was hier gerade passiert) … geplättelt heißt „herzwarm sehr überrascht“ (heartwarm very surprised) … aber Achtung: die englische Sprache stellt uns immer wieder Hürden in den Weg, auch am Sonntag.

    1. Super. Die Dinge nehmen ihren Lauf. Übrigens könnte Dir auch das Haus mit den zwei Stühlen davor und dem Schild Goethe war hier nie gefallen. Es war glaub ich ein Dorf neben Nanz Dietschweiler.

  7. Die Omelett-Situation war ganz außergewöhnlich … hinter der Weltachse, unter der Sonne, fanden sich Eier in einem Gericht-Gedicht wieder … murmelte der Glan … sang eine kleine große Künstlerin … und spannte sich der Bogen der zweisprachigen Kommunikation von Seele zu Seele. Ein Sonntag, der eine Seite in der Erinnerung bekommt.

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