Halbfinale, spartanisch live übertragen

Die Fußball EM 2012 fand auf dem Nordseeradweg statt. In Schweden, Dänemark, Deutschland und ich glaube, das Finale fand in Holland statt. Als reisender Radler oder Wanderer kriegt man von der Außenwelt kaum etwas mit. Ach das Leben, so langsam in friedlichem Kokon. Täglich bewegt der Kokon sich ein Stückchen weiter durch die Territorien. Abgeschnitten von den Medien. Fetzenweise und unvollständig sind dementsprechend die Informationen. Auf schwedisch die Vorrunde, auf dänisch das Achtelfinale, ein trauriger Aufschrei, fern hinter einer Hecke, windverkündet, das Ausscheiden der deutschen Mannschschaft. 2012 wohlgemerkt.
Grob halten wir uns per Liveticker via Internet auf dem Laufenden, wer wann wie wo gewinnt, ausscheidet, weiterkommt. „Deutschland demütigt Brasilien „und „sieben zu eins“ und „Ausschreitungen in Sao Paulo“ dringt häppchenweise der Einzug der Nationalelf ins Finale zu uns durch. Un-glaub-liche 7:1! Ohne Elfmeterschießen!
Letzte Nacht erwache ich auf dem Zeltplatz in Vira durch verhaltenes Jubeln. Drei Männer im stillen Public Viewing. Halb Eins. Sehr leise dringt eine Art Fußballmoderation durch. Ich spitze die Ohren, stückweise Berichterstattung. Argentinien im Finale, höre ich, mehr nicht. Dann schalten die Männer den iPad aus und begeben sich in ihre Zelte. Einer von ihnen ist unser direkter Nachbar. Der Mann im roten Zelt, nur knapp drei Meter nebenan. Luftmatratzenknarzen und eine verschlafene Frau, die etwas murmelt, worauf er antwortet zwei zu null. Mehr kann ich nicht verstehen. Und sicher bin ich mir auch nicht, ob ich gerade eben das zweite Fußballhalbfinale in einer spartanischen Liveübertragung erlebt habe.

Autor: Irgendlink

Konzeptueller Reisekünstler, Artist in Motion, Appspressionist. Irgendlink nutzt mobile Technik in Vereinigung mit Servertechniken, um literarische, fotografische Kunstwerke zu kreieren.

8 Gedanken zu „Halbfinale, spartanisch live übertragen“

  1. ja, das war schon ein besonderer Film, dieses 7:1 … und ob nun Argentinien oder Holland weiss ich nicht wirklich zu sagen, da auch ich seit gestern in einem Kokon gelandet bin, der Körper wollte so nicht mehr, also Bettruhe, zusammen mit Sarah Lund und gutem Buch, sonst nix … ein Zelt am Lago wäre mir allerdings lieber …

  2. Ist es wirklich so, daß mensch nichteinmal am Ar… der Alpenwanderwege Ruhe hat vor diesem !%&$#PߧX!!!-Theater?

    Gutes Wanderwettwer und Badewetter wünsche ich euch weiterhin.

  3. Oups, zu früh abgeschickt… Das Spiel Deutschland-Brasilien hingegen hat mich regelrecht angestachelt und wie gebannt vor der Glotze gehalten – sowas Spannendes, einfach klasse, unglaublich, das Gucken hat sich gelohnt, das bisher einige Spiel, das ich bis zum Ende angeschaut habe.

    1. Oups, erst den vorigen Kommentar kommentiert. Das Spiel war ja auch eine unglaubliche Torparade. Die armen Brasilianer aber. Ich hoffe, es drückt nicht zu sehr die Stimmung. Ich kenne manche Deutsche, die todtraurig wären, wenn es umgekehrt wäre.

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