Wanderarbeiter 2.0

Graubestäubte Kerle ohne Helm und Schutzkleidung auf waghalsigen Gerüsten aus Bambus im zehntausendsten Stock der Verdammnis. Dreieurobillige Familien aus irgendwo dem Osten, für die das karge Gehalt in vierzehnstündiger Schicht auf irgendeinem hektargroßen deutschen Gemüseacker ein wahrer Segen ist – das ganze Jahr können die davon leben! Webproleten. Proletarier im Internet, deren einziges Kapital ein bisschen Hirn ist und ein paar Programmierbefehle. Wanderarbeiter 2.0. An die Stelle des zu Markte getragenen Körpers tritt das zu Markte getragene Hirn. Die Proletarisierung des Intellekts …
Den Radreisenden umschwirrt neben ab-und-zu-en Mückenschwärmen stets auch eine Begriffswolke, die sich aus zufälligen Begebenheiten „on-the-road“ und assoziativen Zufällen bildet. Den Computer in der Packtasche und auch die Business-Klamotten, und den Potentieller-Kunden-Termin letzten Dienstag vor Augen, umschwirrte mich die Begriffswolke vom Wanderarbeiter 2.0, von der Next Generation der ihre Haut zu Markte tragenden Habenichtse fast spielerisch. Bin ich dieser Wanderarbeiter 2.0? Ein Webproletarier (den Begriff nutzte mein Freund Steph schon vor über zehn Jahren).
Nachdem ich bei SoSo angelangt war, quartierte ich das Velo im Keller ein und wir machten uns auf zu einem zweitägigen dienstlich-privaten Intermezzo, zu einem Kundengespräch und zu Freunden kreuz und quer in der Schweiz. Auch privat bei den Freunden kam immer wieder das Gespräch auf „irgendwas mit Computer“. Das festigte in mir die Idee vom modernen Wanderarbeiter, der sein Hirn zu Markte trägt. Hier eine kleine Webseite, dort ein gehacktes Blog retten, jenerorts Portfolio Fotos – eigentlich gibt es für uns wanderarbeitende „irgendwas mit Computerns“ ein veritables Potential, sich und die Mischpoke durchzubringen, kommt es mir in den Sinn. In der Tat kamen in den letzten Tage – online – fünf verschiedene Projekte aufs Tapet. Das ganze verpackt in einem imaginären Plugin-Container, inmitten der Ferien. Das Reisen und das Arbeiten und die Kreativität unter einen Hut zu bringen, ob das geht? Diese Frage zu stellen hatte ich versäumt und nun halte ich die Antwort schon in den Händen, äh dem Hirn.

Autor: Irgendlink

Konzeptueller Reisekünstler, Artist in Motion, Appspressionist. Irgendlink nutzt mobile Technik in Vereinigung mit Servertechniken, um literarische, fotografische Kunstwerke zu kreieren.

5 Gedanken zu „Wanderarbeiter 2.0“

  1. irgendwas mit Computer
    irgendwas mit Webstuhl
    irgendwas mit Nanoküche
    irgendwas mit Tulpenzucht
    irgendwas mit ohne Krieg
    Was für Möglichkeiten es doch gibt…
    Und was ist mit Erholung von der Waberwolke um Dich rum?
    Wird schon, gelle, bist ja nicht alleine. Grüße sie von mir!

  2. grüsse sie zurück, gell?! :-)

    wir leben in einer synthese von virtueller und realer welt resp. kommunikation – irgendwie mag ich das. es ist wie schaukeln und wippen, mal da, mal dort.

    … und immer wieder innehalten … so lebe ich gerne.

  3. wenn es WanderfeldarbeiterInnen gibt und WanderköchInnen, wieso sollte es da nicht auch IrgendwasmitcomputerwanderInnen geben ;)- ich denke gerade an die Ärzte, die mit ihrem Köfferchen von Haustüre zu Haustüre fahren (fuhren), ihr Werkzeug immer dabei und was die können, können wir schon lange … jede und jedermit ihrem und seinem-

    good days and ways ihr Zwei
    herzlichste Sommersonnengrüsse
    Ulli

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.