Regenkunstbübchenwahrscheinlichkeitsrechnung

Wer hat eigentlich die Regenwahrscheinlichkeit erfunden? Und was sagt es aus, wenn es zum Beispiel heißt, um sieben Uhr ist die Regenwahrscheinlichkeit 50%, um acht 60 und ab dann 70%? Der gestrige Tag wäre ein idealer Rückradeltag gewesen. Nach anfänglichem Nebel zeigte sich der Südjurafuß gar golden herbstig. Bunte Bäumchen vor kalkweißen Bergchen, bevölkert von lieblichen Dörfchen und mampfenden Küchen, daneben ein Bielerseechen. Aber Monsieur Irgendlink, moi même zog es vor, die meiste Zeit computerschuftend in einer Innenstadtwohnung in Biel-Bienne zu verbringen. Den Freunden Marc und Rossana bei diversen Bildbearbeitungsaufgaben behilflich sein, auf Mac-Rechnern obendrein, ging ganz schön in die Knochen. Aber auch ulkig: große Leinwände, die noch nach Öl rochen wurden mit weit gestreckten Armen in Marcs winzigem Büro hochgehalten, damit ich die Farben auf der Bildbearbeitung ungefähr dem Original anpassen konnte. Und andere Arbeiten. Einmal mehr hege ich den Verdacht, diese Mac-Rechner sind mit einem Kontaktgift eingepinselt, das jedem, der sie berührt den unweigerlichen Wunsch impft, so ein Ding zu kaufen.
Nach ruhiger Nacht erwache ich nun mit 50prozentiger Regenwahrscheinlichkeit, so zeigt es der Wetterbericht auf dem Fon, Tendenz auf 70% steigend und die anfägliche Überlegung, dass 50% bedeutet, hier ein Tropfen, dort nicht, hier wieder ein Tropfen, dort nicht und so weiter und wenn man nur löchrig genug ist, kommt man irgendwie durch, zerschlägt sich am wilden Klatschen an den Dachfenstern von Marcs Künstlerbude.
Heute ist definitiv kein Tag zum Radelfahren. Ich werde wohl erst Mal zum Bahnhof radeln und mich nach einer Gepäcktasche fürs Velo umschauen. In der Schweiz kostet nämlich die Radelmitnahme im Zug so viel wie ein Kind. Und die SBB-Preise sind aus ottonormaleuropäischer Sicht ganz schön happig. Dann ggf. testweise ins 35 km entfernte Solothurn aufbrechen und wenn es zu eklig wird, an einem Provinzbahnhof unterwegs einsteigen. Die Jurasüdfußroute folgt sinniger Weise der Bahnlinie.
Bleibt übrigens noch die Hoffnung, dass sich der Regen als ein Hirngespinst herausstellt – auf der Nordseerunde 2012 radelte ich schließlich über 7000 Kilometer bei gefühlter 50prozentiger Regenwahrscheinlichkeit.

Autor: Irgendlink

Konzeptueller Reisekünstler, Artist in Motion, Appspressionist. Irgendlink nutzt mobile Technik in Vereinigung mit Servertechniken, um literarische, fotografische Kunstwerke zu kreieren.

3 Gedanken zu „Regenkunstbübchenwahrscheinlichkeitsrechnung“

  1. so eine tasche anzuschaffen ist sicher keine schlechte investition.
    die ticketpreise sollen weitersteigen, dafür gibts bald zugwagen mit angeboten wie disco, yoga und – ich wage die prognose – mit fitnessstudios. radfahren im zug! :-)

    gute reise und bis bald wieder live!!!

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