Tickitick tickitick tickitick tack tack.

Sag mir, wie lange, Monsieur Irgendlink, wie lange dauert es, um sein Leben vom statischem Alltag zu Hause auf den dynamischen Alltag unterwegs umzustellen? Angereichert mit den Javascripten des modernen Reiselebens, formatiert, geparst, neuinterpretiert … die kleine „Blitz“-Radtour entlang des Jurasüdfuß pumpt mächtig Reiseleben in den Alltag, so dass ich mich schon nach wenigen Kilometern so fühle, als wäre ich Tagesmärsche von zu Hause entfernt. Der Mensch in Bewegung denkt anders, handelt anders und er nimmt seine Umgebung anders wahr, als der „statische“ Mensch.
Als ich abends Biel/Bienne erreiche, vorbei an einer riesigen Baustelle mit einem Dutzend Baukränen, fühle ich mich satt und glücklich. Die über hundert Radelkilometer tun kaum weh. Vor Biel/Biennes Toren ist ein Containerdorf aufgebaut, das der Barackensiedlung oberhalb von Santiago ähnelt. Wohl für die Bauarbeiter. Mein Gott, was wird das? Ein paarhunder Meter langes Arreal auf der grünen Wiese fünf Kilometer vor den Toren der Stadt. Wird der Berliner Hauptstadtflughafen etwa hier gebaut? Wird er wegen des Koordinatenirrtums so teuer? Ich scherze mit mir selbst. Die Stadt erinnert mich an viele Städte. Mal bin ich in Göteborg auf der Monstermarktmeile, mal glaube ich, in Santiago zu sein und hey, das kurze Stück Radweg an der Schüss, das runter zum See führt, könnte auch in Ax les Thermes in den Pyrenäen sein.
Nun im vierten Stock bei Freund Marc in der Innenstadt. Fenster offen. Das Fußgängerzonenleben rauscht. Ein Zieharmonikapaist dudelt Que Serra Serra. Busse zischen und die Tische des Cafés im Ersgeschoss klappern vor Gästen. Über der Stadt drängt dichter Nebel am Südfuß des Juras.
Sag mir, wie lange, Monsieur Irgendlink, wie lange dauert es, bis du wieder „drin“ bist, mitten im Reisefluss? Gib mir ne Woche, gib mir nen Tag, sieh nie auf die Uhr, denn die sagt dir nur eins: Tickitick tickitick tickitick tack tack.

Autor: Irgendlink

Konzeptueller Reisekünstler, Artist in Motion, Appspressionist. Irgendlink nutzt mobile Technik in Vereinigung mit Servertechniken, um literarische, fotografische Kunstwerke zu kreieren.

4 Gedanken zu „Tickitick tickitick tickitick tack tack.“

  1. hi,

    ich wollte dir schon lange mal einen link, keinen irgendlink, nein nur einen LINK, einen, der dich interessieren dürfte, da er ähnliches unternimmt. ein verwandter im geiste, der auch per rad unterwegs ist, als kulturwissenschaftler aber eine etwas andere herangehensweise hat als du. aber es ist ein interessanter ansatz. die seite ist optisch nicht so überzeugend, das lesen fällt schwer, aber die inhalte sind sehr spannend. das buch dazu, eine examensarbeit, die vor jahren auch mal gelesen habe) ist unbedingt lesenwert. hier nun endlich der link:
    http://www.bikeandphile.de

    keep moving, du fahrrADLER.

    gruß aus dem flachland, uwe

    1. Dankeee, Uwe, ich bin schon sehr gespannt. Hab kürzlich auch bei Neobooks jemanden gefunden, der von Barcelona über Gibraltar zum Nordkap gewandert ist. Und sehr packend darüber schreibt.

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