Massenverzweiflungstat SEO

Wie wird man eigentlich zum Urheber eines Wortes, zum Beispiel des Begriffs Massenverzweiflungstat? Und was nutzt es einem? Die Verrücktheiten der Suchmaschinenoptimierung persiflieren brilliant in diesem Artikel.

Der Tag war lang. In den Tiefen der Pixelwelt umher geirrt wie ein entlaufener Lobotomierter, ein faselnder Jack-Nicholson-Typ im Nachthemd. Ich bastele am Blog. Ich baue Poster, ich lade Filme auf Youtube. Es ist diese verflixte Zwischenreisephase, in der es zu viele Ziele gibt, zu viele Wege, zu wenig Geradlinigkeit. So findet man den Künstler morgens am PC im wahnvollen Suchen nach Verbesserungen für das Blog. Suchmaschinenoptimierung, Verbesserung eines ohnehin zufriedenstellenden Pageranks, Mehrung von Backlinks – ach wäre ich doch schon bei 12 Milliarden Backlinks und einem Pagerank von 10, ich könnte mich bequem zurück lehnen. Zwischendurch Überprüfung sämtlicher Webpräsenzen auf finanziellen Wert bei zweifelhaften „Isch-mach-dir-korrekt-Bewertung-Seiten“: alle x Präsenzen zusammen knapp 80.000 €. Ich bin reich! Juhuuu! Das ist natürlich hanebüchener Quatsch. Alleine irgendlink.de liegt bei über 10.000 €. Will’s jemand? Ne. Na also.

Der Webkacke kannst du nicht sooo weit trauen (und ich mache eine Handbewegung mit knapp zusammen gehaltenem Finger und Daumen, die, wenn man sie einem ausgewachsenen Kerl zeigt, eine rechte Beleidigung ist).

Es ist an der Zeit, das Haupt-Keywort für diesen Artikel, Massenverzweiflungstat, in einem Überschrift Klasse zwei Tag zu notieren.

Außerdem verlangt die ungeschriebene Fibel für SuchmaschinenoptimiererInnen, dass das Schlüsselwort, in diesem Fall „Massenverzweiflungstat“, ein paarmal in dem Artikel vorkommt. Zwei drei Prozent der Worte sollten also Massen-öhm heißen. Verflixt, musst Du Dir auch so komplizierte Schlüsselworte aussuchen? Suchmaschinen sind ja auch nur kleine pelzige Tier, wie meine heimische Katze, die mit der Schnauze im Dreck nach Wohlschmeckendem suchen. Massenverzweiflungstat muss ich ihnen auf einem porzelanenen Tellerchen servieren und hoffen, dass sie ausgehungert genug sind, das Ding zu fressen.

Jetzt wäre noch ein Bild zum Thema gut, in dessen Alternativ-Attribut man das Wörtchen notieren könnte. Verzweiflung. Schwitz … da ich ja soeben das Wort erfunden habe, das ich nicht mehr nennen möchte, weil zu oft in einem Artikel, Massenverzweiflungstat zu sagen (Tourette ein – Jehova, Jehova, Monty Python – Tourette aus) kommt einer singulär katastrophalen Verzweiflungstat gleich und wird so ganz und gar nicht von der Suchmaschine belohnt. Also, ein Bild muss her und das Schlüsselwort soll in das Alt-Attribut des Bild-Tags notiert werden (<img src=“bild.jpg“ alt=“massenverzweiflungstat“ /> oder so ähnlich, die WordPress Hochladesoftware erledigt das schon). Komme zu dem Schluss, dass es der Suchmaschine scheißegal ist, ob das Bild etwas mit dem Schlüsselwort zu tun hat und lade einfach irgendein Bild hoch, das mit dem Wörtchen, ihr wisst schon – Verzweiflung, schwitz – markiert wird. Hier das belanglose Bild:

Massenverzweiflungstat
Massenverzweiflungstat

Finale: Fipptehler finden in dem Artikel. Unbedingt ausmerzen! Gute Rechtschreibung (Duden), gutes HTML und CSS (wird vom WordPress-System erledigt) sind die Basis für gute Artikel.

Nachtrag: die Suchmaschinensoftware meckert und verlangt einen ausgehenden Link. Klicke hier, um den Film Ums Meer zu sehen – mit Ton.

Außerdem sollte der Titel des Blogeintrags über 40 Zeichen liegen und die Metaangaben bei Hundertnochwas – bla, blabla, bla bla …

Autor: Irgendlink

Konzeptueller Reisekünstler, Artist in Motion, Appspressionist. Irgendlink nutzt mobile Technik in Vereinigung mit Servertechniken, um literarische, fotografische Kunstwerke zu kreieren.

14 Gedanken zu „Massenverzweiflungstat SEO“

  1. und jetzt noch echt: das poster ist saugut komponiert – unten ein geschmack von kunststraße, oben eine zusammenfassung der reise (ha, eine microzusammenfassung!) – und das bekommen nun die spenderinnen und spender, gell? wie groß ziehst du es ab?

    der film ist mit musik und mit den neuen bildern noch besser!

    und dein artikel? da sag ich nur selber schuld ist man immer selber schuld :-) und ich sag auch: das tu ich mir nicht an …

    1. SoSo. Ja, das wird das SpenderInnenposter. Ich arbeite noch am Schriftzug. Eine Art Schriftmarke wäre toll. Wie beim Film auch bei den Vektorgrafiken ein neues Forschungsgebiet.

  2. Je nu! Wo steckt die Massenverzweiflungstat im Tag? Nein, ich meine nicht den Tag, sondern jene LabelStichwortNervtötungszeile unter dem Blogeintrag. Rein mit ihr! Der Massenverzweiflungstat (= 2. Mal im Kommentar erwähnt), meine ich. Für die Präsenz im Kommentar sei hiermit nunmehr gesorgt.

    Das Posterbild ist klasse und sehr aussagekräftig!
    Und nun schau ich mir den Film nochmals an. Mit Musik.
    Beim kleinen Film, der Fahrt zum Meer, schwebte mir damals beim Anschauen eine 20er-Jahre-Kinoatmosphäre mit einem verstimmten Klimperklavier vor. Käme gut, irgendwie.

    Lieber Gruß in die Pfalz (Ganz in deiner Nähe war ich oft als Kind, Onkel und Tante besuchen…)
    Elke

    1. Liebe Elke, danke fürs Weiterverbreiten des M-Worts im Kommentar. In der Tat hatte ich geliebäugelt, den Clip mit Klavierbegleitung zu zeigen. Habe sogar einen Stummfilmbegleiter gefunden im Netz. Vielleicht liegt ja die Zukunft im Weg zurück?

  3. Das Poster ist sehr schön geworden. Farblich toll komponiert. Es strahlt etwas Positives, Fröhliches aus. Gefällt mir ausnehmend gut. :-)

    Im Gegensatz zum Wort Massenverzweiflungstat – was für’n Wortungetüm. Sind es Massen, die eine Verzweiflungstat begehen oder ist es eine massige Verzweiflungstat oder eine Tat die an der Masse verzweifelt ? Mein Denkmützchen qualmt. *g*

    Liebe Grüße, Szintilla

    1. Szintilla, Denkmützchen ist klasse. Obs das schon im Netz gibt, das Wort? Wenn nicht, unbedingt Blogartikel schreiben ala M-Wort.
      Die Kernfrage hinter dem Artikel ist ja: was ist, wenn man bei seinem täglichen Blogstreifzügen ein supergeniales Wort erfindet, das sich werbetechnisch prima verwenden lässt. Und es einfach ausplaudert. Und andere melden eine Marke damit an.
      Worte wachsen. Wuchern. Verbreiten sich weiter, mutieren, evolieren …

      1. die denkmütze in szintillas kommentar ist so ein tolles wort. ich musste dabei auch an die liebe bloggerin mützenfalterin denken, die ja ihre blogartikel in mützengruppen kategorisiert, doch eine denkmütze ist da nicht dabei. aber es gibt das wort doch schon, wie mir gugl sagt, es ist eine kinesiologische übung – allerdings nicht in der verkleinerungsform. so schaaade, das wort ist nämlich wirklich genial.

  4. Die Denkmütze habe ich tatsächlich nur verniedlicht. Soso hat recht, die kinesiologische Übung wird in der Lernhilfe benutzt, also nix ist mit Patentierenlassen. *g*

    Aber du hast auch recht, denn über das Ausplaudern und veröffentlichen von solchen Dingen (einzelnen Worten; Texten; Lyrik, Fotos usw.) habe ich auch schon oft nachgedacht. Manchmal ist man einfach nicht clever genug die eigenen Kreativität gut zu vermarkten. :-(
    Man gebe uns einen Marketingmanager an die Hand. *seufz

    Liebe Grüße, Szintilla

  5. und dann haben wir wieder jenes problem am hals, über das irgendlink neulich schrieb: nichts ist mehr kostenlos. ach, wie ich mir eine welt der opensources und ohne konkurrenzdenken ersehne …
    liebe grüsse an die runde … soso

  6. Auch dieser Film (wie der Kunsstraßenfilm) müsste natürlich ins Tel Aviv Museum of Modern Art ( http://www.tamuseum.com/ )

    Werde später noch den gesamten Film sehen, habe aber eben nochma von Anfang nur gehört ohne Bild – wow, ein heiterer, kraftvoller Auftakt, dann wird es dramatisch, anstrengend, Durststrecken, komplexer….

  7. Also, wenn ich so lese-ohne es zu verstehen- wie das Int. so tickt, kommt mir wieder der Gedanke, den ich beim Kennenlernen des Mediums hatte: ob dat nich en Teifelszeug ist?

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