Spartanische Solarwasserheizung

Eine selbst gebastelte Solar-Heißwasserleitung war bis vor anderthalb Jahren auf dem Scheunendach in Betrieb. Bis das beißende UV-Licht die Kunststoffschnur durchätzt hatte und der gut dreißig Meter lange, schwarze Schlauch, den ich am Blitzableiter festgeknotet hatte, herunter gerutscht ist in die Regenrinne. Danach war Kaltduschen angesagt. Ich war zu müde, den Heißwasserstrang zu reparieren. Es ist zudem akrobatisch, über verschiedene Schrägdachelemente bis zum First zu klettern. Die abgöttische Sonne dieser Tage entfacht die Lust, diese kostenlose Energie zu nutzen. Mit ein paar Schlauchschellen repariere ich die Konstruktion, erbettele im örtlichen Fahrradladen eine alte Felge, über die der Schlauch gelegt wird, damit er an der Stelle, an der er – dieses Mal mit isoliertem Kupferdraht – am Blitzableiter festgeknotet wird, nicht knickt. Das Wasser wird bei den derzeitigen Lichtverhältnissen innerhalb von einer halben Stunde achtzig Grad heiß. Acht Liter sprudeln aus dem zwanzig Millimeter Schlauch, der als Verlängerung in die bestehende Wasserleitung integriert wird und auf dem Dach erhitzt. Eine spartanische Dusche ist problemlos möglich.

„Ich kaufe mehr Schlauch und wir verlängern das Ding“, sag ich zur SoSo.

„Und dann?“

„Dann haben mir mehr Heißwasser.“

Und dann?“

„Dann können wir es verschwenden.“

Autor: Irgendlink

Konzeptueller Reisekünstler, Artist in Motion, Appspressionist. Irgendlink nutzt mobile Technik in Vereinigung mit Servertechniken, um literarische, fotografische Kunstwerke zu kreieren.

10 Gedanken zu „Spartanische Solarwasserheizung“

  1. Dreikommadreisieben sag ich! Nach einer Stunde war das Wasser im Schlauch so heiß, dass man es mit Kaltwasser mischen musste. Nennt ihn Warmduscher-Irgend.

    1. Axel, das Ding ist einfachste Bauweise: In die Kaltwasserleitung einen T-Abzweig eingebaut, danach Absperrhahn, PE-Wasserleitung von beliebiger Länge hinter dem Absperrhahn anschließen (hierfür gibt es Übergangsstücke, die man ans Kupferrohr lötet und die einen Schraubverschluss haben, der das PE Rohr einklemmt). Das PE Rohr ist schwarz. Wird in der Sonne heiß. Und auch der Inhalt. Mit dem PE-Rohr auf kürzestem Weg an die Sonne aufs Dach. Stellen, an denen es geknickt werden könnte mit alten Fahrradfelgen stabilisieren.
      Das andere Ende des „Heißwasserkabels“ wieder ins Haus führen und an den Heißwasserhahn der Dusche anschließen. Am Besten getrennt von der Hausheißwasseranlage (oder eine Gartendusche installieren). Im Winter mit dem Absperrhahn das PE-Rohr abriegeln und leeren und kalt duschen.
      Eine bessere Anlage mit 30 Liter Heißwasser und Speichermöglichkeit in altem Boiler ist in Arbeit (muss nur noch ausem Kopf raus).

  2. Mein alter Vater hat auch so eine- neben dem Hühnerstall. Einfach ein großer alter Blechkessel und so Gebammsel dran- weiter habe ich noch nicht geschaut, werde mir das Gerät mal näher betrachten bei Gelegenheit. Für`n Inschenioör is nix zu schwör….
    Gruß von Sonja

    1. Brigitte, das mit dem Ende der Einschränkung gibt mir zu denken. Vielleicht gibt es unterschiedliche Überflusssphären? Bzw. die individuelle Gewohnheit spielt auch mit. Die vorliegende Duschparabel ist gar kein schlechtes Anschauungsobjekt. Jemand, der immer bei 32 Grad duscht, lebt verglichen mit dem Kaltduscher im Überfluss. Ein Kaltduscher, der sich das Warmduschen angewöhnt, wird nicht mehr zurück wollen. Und Warmwasser auch nicht für Überfluss halten. Die Einschränkungsgrenze ist unscharf. Das ist glaub ich das Problem. Dennoch möcht ich die Existenz von Überfluss nicht leugnen. Würd sogar sagen, dass wir hierzulande Überfluss im Überfluss haben.

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