Tausend Sklaven der Freiheit

Nachts wälze ich mich im Halbschlaf hin und her. Im Kopf spukt etwas von der Titanic, wohl, weil ich am Abend im Klausbernd Vollmars Blog einen äußerst interessanten Bericht über die Titanic gelesen habe: die Betrachtung des auf der Jungfernfahrt havarierten Luxusliners aus psychologischer Sicht. 100.000 Bruttoregistertonnen auf der Couch von C.G. Jung und Si(e)gmund Freu(n)d. Und auf der von Klausbernd Vollmar. Lest selbst (Link).

Die Titanic war eine stahlgewordene Menschenidee, genauso wie vielleicht meine Nordseerunde eine durch Muskelkraft in Bits und Bytes umgesetzte Menschenidee ist. Etwas, was dem Gehirn Einzelner oder Weniger entspringt, und sichtbar wird. Genau wie die Realisierung der Titanic, braucht die Realisierung jeder Menschenidee ihre Unterstützer. Ich habe das einmal die „Tausend Sklaven der Freiheit“ genannt. Um etwas großes in Gang zu setzen, eine Pyramide zu bauen, ein Autobahnnetz, ein Luxusschiff, braucht es immer die Unterstützung vieler Einzelner, die die Idee ebenso gut finden, wie der „Erfinder“. Im günstigsten Fall unterstützen die „Tausend Sklaven der Freiheit“ eine Idee aus freien Stücken, meist jedoch sind sie tatsächlich Sklaven, die durch wirtschaftliche Zwänge oder mit purer Gewalt von einer Idee überzeugt sind.

Nun hat es zu regnen begonnen. Den Zeltabbau um 7:30 Ortszeit, als es noch nicht geregnet hat, habe ich leider verpasst, trödele stattdessen bei Kaffee und Orangenmarmeladenbrot herum, schreibe diese Zeilen. Der Tag wird kompliziert. Ich will Abbey Wood Camping erreichen, nähe Greenwich, ein Katzensprung von London entfernt. Bin aber nicht sicher, ob ich an diesem Ostersonntag dort noch einen Platz finde. London beunruhigt mich. Der Alternativ-Zeltplatz im Lee Valley nördlich von London, dürfte 130 km entfernt sein.

Wildzelten: Gestern habe ich nördlich von Canterbury ein prima Wildzeltgebiet durchquert. Man weiß nie, wie sich die Gegend entwickelt. Ist sie offen und frei oder eng und eingezäunt? Vielleicht klammere ich den Tag Aufenthalt in London aus, da sich mein Kontakt von der Orange Dot-Gallery noch nicht gemeldet hat. Es ist ohnehin besser, von zu Hause via Paris in vier Stunden mit der Bahn nach London zu fahren Abends wieder zurück. :-)

(entfipptehlert, mit Links bestückt und gepostet von sofasophia)

Autor: Irgendlink

Konzeptueller Reisekünstler, Artist in Motion, Appspressionist. Irgendlink nutzt mobile Technik in Vereinigung mit Servertechniken, um literarische, fotografische Kunstwerke zu kreieren.

5 Gedanken zu „Tausend Sklaven der Freiheit“

  1. Siri und Selma, meine beiden Buchfeen, bedrängen mich gerade ganz flatterig. Ich soll dir sagen: „Unbedingt in Greenwich die Uhren von Harrison begucken!“ Mit diesen Chronometern konnte erstmalig der Längengrad bestimmt werden, eine gr. Entwicklung in der Seefahrt. Denn vorher wurde Entdecktes oftmals nicht wiedergefunden oder man segelte viele Seemeilen entfernt an seinem Ziel vorbei.

  2. Ja, lieber Jürgen, unbedingt auf die Bremse treten, Anhalten, Pause machen, Ausruhen und so. Mensch, du bist so schnell unterwegs, da habe ich ja gar keine Chance dich in Cley next the Sea zu sehen! :-)
    Liebe Homebase, wenn möglich, bitte intervenieren :-)

  3. Lieber Jürgen,
    hoffe du findest alles in London! Wenn du in Greenwich bist, vergiss nicht dich auf die Nullmeridiane zu stellen. Die verläuft in Wirklichkeit zwar durch den Park, aber auf der schön markierten Linie in diesem kleinen Hof siehts stilvoller aus. ;-)

    Alles Gute!

  4. Deine Gedanken zu Tausend Sklaven der Freiheit gefallen mir gut.
    Du bist ein gutes Beispeiel für jemand der frei agiert. Freiwillige Helfer, Unterstützer, neue Ideengeber, die lassen sich nur finden, wenn man selbst rausgeht, wenn man selbst offen ist. Get connected ist das Motto! Und leg dich nicht fest. Erstarre nicht. Freunde, auch deine virtuellen sind viel wert, Facebook, nur als ein Beispiel, ist heute 100 Milliarden wert und lässt jeden Kritiker verstummen, wer hätte diese Prognose jemals gewagt?
    Du radelst am Meer entlang, nirgendwo wird man derart mit Freiheit konfrontiert wie auf dem Wasser. Loslassen, raus aus dem Hafen, dort draußen ist das Meer. Wie Admiral Rickover sagte, „you cannot discover new oceans unless you have the courage to loose the sight of the shore.“ Bleib gesund.

  5. Ich will dem Wunsch: „bleib gesund“ noch eins drauf setzen:“ gesunde!“ :-)
    Mit besserem Wetter, schönem Rückenwind, gemütlicher Nachtruhe, verdaulichem Essen usw., wenn Du willst, auch mit Freiheit oder dem, was Du darunter verstehst. Es gibt ja schon auch Druck zu radeln, wenn man so eine weite Reise vor sich hat.

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