Feinheitsgrenze

Bern. Ein Leben von den Überstunden des letzten Jahres. Ich fotografiere an meiner Serie Die Straßen von Bern. In der Tackerei gibt es nur dröges Möbelreparieren, eine Aufgabe, die mir absolut keinen Spaß macht.

Ich gebe es auf, dass das Leben ruhiger wird, die Uhr sich langsamer dreht. Der Februar hat sich am Januar vorbei geschlichen. Volle Wucht. Der Atelierausbau geht voran. Das Jakobswegbuch auch. Letzten Dienstag hatte ich die Wahl, in Speyer live-bloggend loszulaufen oder nach Bern zu fahren oder an den alten Kunst-Baustellen weiter zu machen. Was für ein wunderbares Lebenslotto. Bern scheint mir als Hauptgewinn gar nicht übel. Obschon ich unheimlich langsam voran komme mit meiner Arbeit. Von allen Straßennamenschildern der Stadt habe ich vielleicht die Hälfte in präsentabler Qualität fotografiert. Gestern ging es zu einem ersten Wieder-warm-fotografieren ins Quartier Lorraine. Boa. Was für ein wunderbarer Stadtteil. Szene pur. Nur wenig Fotoarbeit. Paar Straßen, Grüner Weg, Lorraine-Straße und untige Szene aus der merkwürdigen Polygonstraße sind ins Netz gegangen.

Im Hintergrund arbeite ich an einer Sichtung des über 2000-bildrigen Materials.

Das Jahr fürs Feine (Bezug nicht veröffentlichter Artikel) kommt hartnäckig. Es kommt mir vor, als hätte ich – ähnlich wie mein Vater mit seinem Holzspalter – lange Zeit mit einer aus dem letzten Loch pfeifenden Maschine gearbeitet und nun ist sie endlich vollends kaputt und muss repariert werden. Die grobe Maschine wie etwa der Holzspalter, mit der man schnell durchs Leben schreitet und große Aufgaben in Windeseile erledigen kann, ist ein Bild fürs Grobe. Für den Masterplan, die Architektur. Aber irgendwann kommt man an die Feinheitsgrenze, an der es im Großen nicht mehr weiter geht, weil das Material versagt. Meinetwegen ist eine winzige Schraube zu ersetzen, etwas Feines zu erledigen, ehe man mit dem Großen voran kommt. Vielleicht bin ich in der Kunst dort angelangt? Die nächste große Live-Reise würde ES überstrapazieren. Ich muss erst die Feinheiten (Jakobswegbuch, Bern-Bilder-Serie und Zweibrücken-Andorra) erledigen, ehe ich am Großen weiter komme?

Hier: Polygonstraße, Bern/Lorraine – für die Einen nur ein Foto mit Häuschen und Bahnbrücke. Für den ausführenden Künstler eine der feinen Schrauben am Uhrwerk der Konzeptkunst.

Polygonstraße Bern Lorraine

Autor: Irgendlink

Konzeptueller Reisekünstler, Artist in Motion, Appspressionist. Irgendlink nutzt mobile Technik in Vereinigung mit Servertechniken, um literarische, fotografische Kunstwerke zu kreieren.

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