Broken Flowers und schlimme Schicksale

Das Hirn versagt. Ich konnte mich nicht an den Namen von Bill Murray erinnern. Im Jarmusch-Film Broken Flowers rätselte ich Szene um Szene, wie heißt dieser Schauspieler, Ghostbusters, genau, aber wie heißt der Mann, Murmeltier ja, da auch … verflixt. In letzter Zeit häufen sich die Aussetzer. Dilemma Männer über 40: hast du die eine Krnakheit besiegt, kommt schon die nächste. Wie Wanderer auf einem Pilgerweg kommen sie einem entgegen. Langsam lösen sich aus dem Horizont ein müder Gast namens Krankheit, näher und näher, größer und größer bis zur Begegnung. Pilger würden in solch einem Fall vielleicht den Hut ziehen, Grüßen und ein paar Worte wechseln. Aber Krankheiten? Sie grüßen nicht. Sie ballern dir mit voller Wucht eine Faust aus Schmerz ins Gesicht. Mehr noch, sie versetzen einen in einen schreckliche Angstzustände. Heda lieber Krebs, hallo du schöner Prolaps, willkommen fremder … wie heißt du noch … Alzburger?

Oh diese unheimlichen unliebsamen Wanderer. Sie verschwinden auch wieder. Noch.

Neulich Fest bei Freund B. Es wimmelte von Medizinern und man erzählte sich die Geschichte von dem Bechterow-Patienten, der den Sanitätern von der Bahre gerutscht ist und so unglücklich auf der Treppe landete, dass er ab dem Hals nun querschnittgelähmt ist. „Wie schrecklich!“ rief ich, eiskalter Schauer. „Najaa“, wiegelte einer der Mediziner ab, „ob man nun Querschnittgelähmt ist, oder Bechterow hat …“ der Punkt Punkt Punkt am Ende seiner Rede markierte eine schreckliche Schweigesekunde. So als ob es nichts ausmacht, dass man sich überhaupt nicht mehr bewegen kann, wenn man schon eine schlimme Krankheit hat. „Bechterow, was ist das?“ fragte ich. „Eine Verhärtung des Rückgrats. Die Patienten werden nach und nach ganz krumm“.

Die Einstellung, dass man um das Schicksal anderer wenig Aufhebens machen sollte, besonders wenn man es täglich mit schlimmen Schicksalen zu tun hat, leuchtet mir bedingt ein. Dennoch. Ich bin eine weiche Masse in einer kalten Welt.

Broken Flowers ist ein unglaublicher Film.

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Autor: Irgendlink

Konzeptueller Reisekünstler, Artist in Motion, Appspressionist. Irgendlink nutzt mobile Technik in Vereinigung mit Servertechniken, um literarische, fotografische Kunstwerke zu kreieren.

2 Gedanken zu „Broken Flowers und schlimme Schicksale“

  1. Dem stimme ich unbedingt zu – dem Filmurteil über Broken Flowers, meine ich.
    Wobei, Lost in Translation (letzte Woche erst wieder im Fernsehen) auch – unglaublich, meine ich.

    Was man so alles meint im Leben.

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