Leichte Lähmung im Bierglasstemmarm

Künstler Irgendlink ist einfach nicht tot zu kriegen. Kaum suhlt er sich im moorigen Pool der Werktätigkeit, ist er künstlerisch reger denn je. Die Kamera mit dem mittlerweile fest verwachsenen Weitwinkelobjektiv ist seine ständige Begleiterin. So auch heute Morgen, als kurz vor Arbeitsbeginn noch ein wenig Zeit war und Monsieur in einer verpissten Bahnhofsunterführung an seiner neuesten seriellen Arbeit „Böse Buben – böse Mädchen“ arbeitete. Da quatschte ihn der Afrikareisende J. an, der ein heruntergekommenes Dasein im Städtchen B. führt, und lud ihn zum Kaffee ein (J. trank natürlich Bier). Schauort: eine Raucherspelunke mitten in der Stadt. Herr Irgendlink kratzte einen Rest Beherrschung – weiß nicht woher – zusammen und bestellte tatsächlich nur Kaffee. Gut und gerne hätte der Tag auch in der Spelunke enden können. Gehörst du hier hin? Fragte sich Irgendlink rhetorisch.

Interessant ist J.s Tipp: „Du solltest dich auf Reportagen konzentrieren.“ sagte dieser schon gleich zu Beginn der Begegnung. Und da war er noch ein wildfremder Mann, dem man nicht so einfach trauen kann. Besonders nicht in verpissten Bahnhofsunterführungen. Man sollte keineswegs den Rat wildfremder Menschen missachten, denn sie sehen oft auf den ersten Blick genau das, was wirklich und echt ist.

Wie auch immer. Gegen 10 Uhr trudelte Monsieur Werktätigkeit auf der Arbeit ein, legte die Kamera bei Seite. Sein Owner war guter Dinge und fabulierte einen neuen Großauftrag – ein Ende der Werktätigkeit rückt ferner und ferner. Dennoch, wie schwätzte Herr Irgendlink noch kürzlich mit Kollege Ole aus der Seitenstraße: „2000 Euro würden reichen, um eine Weltumrundung mit dem Fahrrad zu starten. 5000 sind feudal und mit 20.000 kann man das einfach so machen.“

Klingt verrückt?

Je enger sich das materielle Korsett schnürt, desto bizarrer werden die Träume, die wir begehren.

Diesen Halloweens war Betriebsfest angesagt. Leider konnte Monsieur nicht mittrinken, da nicht nur das Weitwinkelobjektiv mit der Kamera verwachsen ist, sondern die Kamera auch mit dem Bierglasstemmarm.

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Amüsement bei der Betriebsfeier – Irgendlink hautnah, so dass er den Atem des Sängers riechen kann.

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Harte Künstlerarbeit in Bahnhofsunterführungen. Auf der Suche nach „bösen Buben und bösen Mädchen“ entdeckt Irgendlink den abscheulichen Kevin M.

Autor: Irgendlink

Konzeptueller Reisekünstler, Artist in Motion, Appspressionist. Irgendlink nutzt mobile Technik in Vereinigung mit Servertechniken, um literarische, fotografische Kunstwerke zu kreieren.

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