Tourstart heute – aber nein, ich bin noch hier

Plan A (Tourstart heute) ist gescheitert. Möchte noch meinen Vater täglich im Krankenhaus besuchen. Obwohl alles gepackt ist, noch immer zu Hause. Zwischendruch Krankenhaus, was mich ziemlich runterzieht. Ich hasse diese Atmosphäre, den Geruch, das scheinbar Sterile, die weiß gekleideten Pfleger und Schwestern, die grundsätzlich viel zu laut sprechen, weil sie in jedem Patienten einen schwerhörigen alten Menschen zu wissen glauben. Nichts gegen Pflegepersonal. Mindestens 30 Prozent sind okay, aber es gibt den Typ Krankenpfleger. Und der ist korpulent und schreit die Leute an, stets mit einem wohlgemeinten „nichtwahr“, oder wie man bei uns sagt „gell“, am Ende des Satzes.
Derweil habe ich in meinen Google-Maps die gesamte Tour umgestellt. Sie führt nun von Bari nach Süden, ins verruchte Sizilien, von dem mir der saarländisch-Sizilianer Raimundo kürzlich so blumig erzählt hat. „Besorg‘ dir eine Hupe fürs Fahrrad,“ hat er gesagt, „in Sizilien kann nur bestehen, wer eine Hupe hat. Ein Fahrzeug ist in Sizilien ohne Hupe verkehrsuntauglich.“
Nur so eine verrückte Idee: ich radele nach Sizilien und weil das Konto strotzt vor Geld, kurse ich dann nach Norden und höre erst beim Nordkap auf. Auf Google-Maps ist bekanntlich leicht leben. Ein Klick und du hast einen neuen Punkt zu deiner Tour hinzugefügt. Am Ende meines virtuellen Trips verzeichnete ich gut 7000 km kreuz und quer durch Europa. Man darf ja träumen. Dennoch. 7000 km kann man in 80 Tagen locker schaffen mit dem Fahrrad. Gerade mal zweieinhalb Monate. Phhh.
Die Wahrheit, meine Lieben, sieht jedoch ganz anders aus. Obwohl ich vollgepumpt mit Technik quer durch Europa radele, werde ich mich auf die Wurzeln besinnen. Meine Hauptwerkzeuge sind nicht GPS und Hightech-Kamera, sondern Bleistift und Papier. Karten und Einheimische befragen wird mein Hauptanliegen, denn seien wir doch mal ehrlich, der Googlewahn ist zwar schick, wird derzeit ohne Ende gehyped, aber was nützt einem die virtuelle Satellitensicht, wenn man verzweifelt an garstigem Berg irgendwo da draußen strampelt und nichts, absolut nichts kongruiert mit der realen Welt? Als Blinder betrat ich diese Welt. Als Blinder werde ich sie durchqueren. Ab und an gar mich sehend wähnen. Als Blinder werde ich gehen. That’s it.

Womit wir beim Tod angelangt wären. Ein wichtiges Thema. 71 vor Christus wurden 6000 Sklaven entlang der Via Appia, der wichtigsten Straße der Antike gekreuzigt. Die Via Appia ist auch ein Friedhof – nicht zuletzt der Sklaven wegen – im alten Rom durfte man die Toten nicht in der Stadt begraben. Deshalb gibt es so gut wie keine Friedhöfe im Rom. Einen großen konnte ich im Norden der Stadt entdecken. Ich werde ihn besuchen. Er liegt nördlich des Autobahnrings, direkt auf dem Weg zum Nordkap. Die Via Appia Antica führt nach Süden. Sie ist gesäumt von Mausoläen reicher Römerinnen und Römer. Sicher eines meiner Reiseziele.

Nun, am eigentlichen Starttag meiner Reise ist alles offen. Es gibt nur ein Fixum und das ist der Flug am 31. März nach Bari. (Kürzlich mit dem Serben T. schwadroniert, wie schön doch Serbien und Kroatien und Slovenien seien – ich weiß, hab ich gesagt –  und dass man von Bari prima mit Fähren übersetzen kann, sagte Serbe T. – ouhlala, das wird ne Tour ins Ungewisse.

Was also wird Herr Irgendlink tun? Die Antwort, Scully, liegt irgendwo im Erdversteck

Autor: Irgendlink

Konzeptueller Reisekünstler, Artist in Motion, Appspressionist. Irgendlink nutzt mobile Technik in Vereinigung mit Servertechniken, um literarische, fotografische Kunstwerke zu kreieren.

2 Gedanken zu „Tourstart heute – aber nein, ich bin noch hier“

  1. Will nur schnell alles Gute mit auf die Reise geben. Eine schöne Zeit, Kräh-Duell-freie Nächte und viele neue Eindrücke!

    Schönen Gruß,
    Nutella-Prinzessin

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