Die Halbwertszeit der Information.

Mittags dachte ich: „Das Einfache wird immer über das Komplizierte siegen.“ Das habe ich schon öfter gedacht, habe es wahrscheinlich auch an dieser Stelle erwähnt. Dass Einfachheit und Komplexität relative Begriffe sind, hatte ich dabei nicht bedacht. Das Einfache wird von Jahr zu Jahr komplizierter, weil es sich weiter entwickelt. Das Einfache strebt geradezu danach, kompliziert zu werden. Mit dem Einfachen wächst der Mensch. Dinge, die einem noch vor ungeraumer Zeit ziemlich kompliziert erschienen sind, kommen einem heute ziemlich einfach vor.

Schnitt.

„Das Web ist flüchtig“, dachte ich gerade eben. Ich hatte einen faszinierenden Artikel über eine Fahrradtour von Andernach nach Marseille gelesen, wirklich gut geschrieben. Dann den Browser geschlossen. Da wurde mir klar, dass zwar die Reise sehr gut wirkt in meinem Schädel, ich mich aber auf den ersten Moment nicht mehr an den Namen der Autorin erinnern konnte, geschweige denn die Webadresse. Ich weiß nur noch, dass ich über werkenntwen reingeschwappt bin. Die Chronik des Browsers durchsuchen, klar. Aber darum geht es nicht. Das Web ist flüchtig. Namen haben keine Bedeutung. Taten verkommen zu schillernden Schnappschüssen, die man sich unter die Nase reibt wie Schnupfensalbe. Im Web sind die Dinge für Sekundenbruchteile wichtig. Die Halbwertszeit der Information, die allminütlich auf uns einprasselt stünde hochradioaktiven Elementen wie etwa Cäsium gut an.

Schnitt.

Schlage „Cäsium Halbwertszeit“ bei einer Suchmaschine nach. Tse, Antwort: 30 Jahre. Information gefunden im Description-Metatag einer Webseite, deren Namen ich mir nicht gemerkt habe (Halbwertszeit also annähernd Null – ach hätte doch Radioaktives solch rekordverdächtige Halbwertszeiten). Ich glaube, die Seite war Wikipedia. Flitzflatz.

Wie schäbig diese schnelle Welt doch ist. Dinge kommen auf, werden gehyped, benutzt, benutzt und nochmal benutzt, sodann weggeschmissen oder geraten in den Schlund des Vergessens.

Was will ich damit sagen?

Wie schaffe ich den Rückweg zum Einfachen und Komplizierten?

Was wird die Zukunft bringen?

Ist dieser Beitrag nun kompliziert oder einfach?

Ich weiß es nicht.

Schnitt.

Ich weiß es wirklich nicht.

Autor: Irgendlink

Konzeptueller Reisekünstler, Artist in Motion, Appspressionist. Irgendlink nutzt mobile Technik in Vereinigung mit Servertechniken, um literarische, fotografische Kunstwerke zu kreieren.

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