Gestern mal wieder die 50 km Marke geknackt. Per Radel und Zug rüber in die OstPfalz – quasi zur anderen Seite des Waldes geradelt um mich an der Pitoreskizität der Landschaft zu erfreuen.

Normalerweise hätte ich arbeiten müssen: hier auf dem Gehöft und auch noch ein bisschen HTML-Kram, aber ich lasse es nun langsamer angehen. Man soll nicht erfolgssüchtig werden oder gar geldgierig. Die letzte Woche hat mich geläutert. Oder sagen wir, wieder auf den rechten Weg gebracht. Es ist der Weg des Genießens, in der Zeit dahin Treibens, die Sorgen aus dem Kopf Streichens, schließlich könnte jeder Tag der letzte sein und dann wäre es doch ziemlich blöd, wenn man mit Zukunftssorgen zwischen den Schläfen geht, oder?

Das wäre geradezu grotesk.

Am Bahnhof Hinterweidenthal zwängte sich eine Gruppe Radler in den Zug, „diese Hitze,“ stöhnten sie. Für eine Station würden sie den Zug nehmen durch den Tunnel hinüber nach Münchweiler, weil der Berg zwischen den beiden Stationen so garstig ist, ihre Herzen so schwach, das Leid so groß. Dabei ist gerade das die schönste Strecke an dem 76 km langen Radweg zwischen Zweibrücken und Landau. Er führt vorbei an einem Weiher, Felsen, entlang eines Bächleins. Zudem  ist er durchweg geteert. In zwei unheimlich kühlen Straßentunnels unterquert man die Bahnlinie. Am höchsten Punkt steht groß „Bergankunft“ auf die Straße gepinselt – wohl von einem Volkslauf.

Kurz vor Abend erreichte ich Landau. Brütende Hitze in der Stadt. Kaum ein Auto auf den Straßen. Die Horstbrücke, welche die Bahnlinie nach Osten überquert war wegen einer Baustelle gesperrt Ein Trinker torkelte mit vollen Tüten aus einer Tankstelle. Im Süden stand ein imposanter Gewitterhammer am Himmel. Es mochte gut 35 Grad warm sein. Auf den letzten Drücker erreichte ich den Zug (aber auch nur, weil er drei Minuten später fuhr). Das nenne ich in zweierlei Hinsicht Glück. Zum einen wäre Warten langweilig. Zum anderen wäre ich mit all meinen Gedanken, und Wünschen alleine gewesen in der Tristesse des Landauer Bahnhofs. Es gibt nur einen Bahnhof, der trostloser ist: der von Schifferstadt, naja und noch einen anderen, der von Ludwigshafen.

Autor: Irgendlink

Konzeptueller Reisekünstler, Artist in Motion, Appspressionist. Irgendlink nutzt mobile Technik in Vereinigung mit Servertechniken, um literarische, fotografische Kunstwerke zu kreieren.

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