Die Fallstricke der Diplomatie

Das Leben ist aufwühlend die letzten Wochen. Ich tue Dinge, die ich normal nicht tun würde. Ausschlaggebend für mein Handeln ist ein uralter Tagebucheintrag, fünfzehn Jahre her, aus dem hervor geht, dass ich aus purer Angst eine Chance nicht wahr genommen habe. Angst wovor? Der Aufgabe nicht gewachsen zu sein.

Das ist eine Version der Geschichte.

Die andere lautet: falle nicht darauf herein, wenn man dir verlockende Angebote macht, denn du hast es nicht nötig, auch nur irgendwas zu begehren.

Da fällt mir eine Geschichte ein, auch schon Jahre her, dass ich mich in eine Frau verliebt habe, naja, sagen wir, am Abend zuvor habe ich gezecht und bin frustriert von einer Party abgezogen, weil mich eine andere Frau nicht wollte, und wie das nunmal so ist, wenn man abgelehnt wurde, man kann nicht alleine sein, also rief ich einen Freund an, ob wir was unternehmen, er sagte „Ja, ich bin mit zwei Mädels zum Konzert verabredet, komm doch mit.“

Muss ich mich aber auch ausgerechnet in diejenige der Beiden auf den ersten Blick verlieben, die er begehrt. Egal. Höflich wie ich bin, ließ ich mir nichts anmerken und spielte den kühlen, distanzierten Unnahbaren, schließlich will man einem Freund, der einen aus der Gosse des Liebeskummers holt nicht enttäuschen.

Er hat es nicht geschafft, sie rumzukriegen. Das war zu erwarten. Ich bilde mir ein, dass sie mich mochte. Nach dem kühlen Abend war jedoch der Schwung raus.

Das ist ein Gesetz.

Ein unerbittliches, ich möchte sagen, fernöstlich jing-jangisch verwirktes Gesetz zwischenmenschlicher Kumulation oder Kopulation – egal – es funktioniert wie surfen: wenn man die Welle verpasst, dümpelt man schlaff auf dem Board.

Vorhin habe ich so eine ähnliche Sache, nicht mit Frauen, sondern mit Kunst (auch aus purer Höflichkleit, vielleicht auch aus Verantwortungsbewusstein) verwirkt, aber das ist nicht so schlimm und fällt im weitesten Sinn in die Rubrik Diplomatie.

Autor: Irgendlink

Konzeptueller Reisekünstler, Artist in Motion, Appspressionist. Irgendlink nutzt mobile Technik in Vereinigung mit Servertechniken, um literarische, fotografische Kunstwerke zu kreieren.

2 Gedanken zu „Die Fallstricke der Diplomatie“

  1. …oder es kommt irgendwann die nächste, nocvh viel größere Welle (um mal beim Beispiel mit dem Surfen zu bleiben). :)
    In dem Sinne drücke ich Dir einfach mal die Damen, dass die nächste Chance nicht allzu auf sich warten läßt…

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