Achloch und unterirdische Spaziergänge.

Gestern mit den Cachern 5P. und Dr. A. unterwegs. Beides ambitionierte Fotografen mit Hang zum Morbiden. Deshalb können die Fotolocations nicht düster genug sein.

In der benachbarten Kreisstadt H. machten wir ein altes Fabrikgelände ausfindig, drangen ein und gaben uns dem Rausch der Fotografie hin. Ein riesiges, weitgehend leer stehendes Gelände. Marode Dächer, überall plätscherte Wasser, und ein geisterhafter Staplerfahrer brauste umher, denn ein Teil des Geländes wird offensichtlich von einer Baustofffirma benutzt. Wir mussten auf der Hut sein, dass er uns nicht sieht. Einmal kam er bis auf wenige Meter zur Fotohalle, stapelte etwas, rempelte mit Wucht an die Hallenwand. Eine Staubwolke stieg auf. Wir überlegten, die Session zu beenden, aber der Geschmack des ungemachten Bildes war zu mächtig.

Habe ein neues Desktopmotiv gefunden: An einer zerbröckelnden Wand war „ACHLOCH“ geschmiert, eine Meisterleistung des Vulgäralphabetismus.

Es reiht sich ein in die Desktopmotivserie „Schmutziges Wort an Wand“.

Zu Mittag in einer Currybude eingekehrt. Die Bedienung wischte mit schmierigiem Handtuch den Tisch, fragte: „Hab‘ mal gehört, bei Mac D. sind mehr Bakterien auf dem Tisch, als auf den Klobrillen.“

Das sollte wohl den Appetit anregen. Ich stellte mir die Klobrillen vor in der Imbisbude und eine mikroskopische Aufnahme ihres Handtuchs, erwähnte dummerweise: „Die universell meisten Bakterien sind auf Computertastaturen, hab ich mal gehört.“

Dies veranlasste die Frittendame zu einer ausschweifenden Beschreibung ihrer Computertastatur, inlusive des Os, welches bei ihr aus zwei Ringen bestehe, ähem, die O-Taste sehe aus wie die Zwiebelringe, nur schwarz, sagte sie, guten Appetit.

Da wir hungrig waren und der Fraß billig und wir sowieso vollkommen verdreckt aus der alten Fabrik gekommen waren, würgten wir den Mist runter.

Später drangen wir in ein altes Bunkersystem ein. Jemand hatte mit dem Schneidbrenner ein Loch in die Stahltür geschnitten. Hatte ich anfangs gedacht, naja, wird son Bunker von dreißig vierzig, vielleicht hundert Quadratmetern sein, entpuppte sich das Ding als beinahe 1 km lange Schachtanlage, die zunächst schnurgerade in den Berg führt, sich in der Mitte gabelt. Groß genug, um mit dem Auto darin zu fahren. Beide Gänge waren am Ende zugemauert. Einige Vorgänger hatten sich an den Mauern zu schaffen gemacht. Die letzten Besucher datierten an der Schachtwand auf den 26. Februar 2006. Wir hinterließen keine Signatur. Dr. A. machte mit seiner sündhaft teuren Kamera exorbitante Fotos. Mit einem Laserpointer malten wir Linien in die Luft. An der einzigen Abzweigung in dem Schacht war die Akustik wegen des Echos extrem angsteinflößend. Jedes Wort spiegelte sich in dem kurzen Stichgang, kam ungebrochen zurück, so dass die Frage, „Wie heißt der Bürgermeister von Wesel?“ mit „n-Wesel“ beantwortet wurde.

Autor: Irgendlink

Konzeptueller Reisekünstler, Artist in Motion, Appspressionist. Irgendlink nutzt mobile Technik in Vereinigung mit Servertechniken, um literarische, fotografische Kunstwerke zu kreieren.

2 Gedanken zu „Achloch und unterirdische Spaziergänge.“

  1. Das hört sich sehr interessant an. Gibt es die Bilder irgendwo zu sehen???
    Ich hätte ja nie den Mut in so einen Tunnel reinzugehen, wäre mir wegen meiner Klaustophobie auch unmöglich! Aber toll finde ich das schon …..
    Ich bin öfter mal „uff de Höh'“ mit der Digi unterwegs …. wo finde ich denn das einsame Gehöfft?? *neugierigfrag*
    Grüßlis Karin

  2. Das ist der endgültige Niedergang. In illegale, höchst geheime Bunkersysteme eindringen, aber die Vernissage in der Galerie B. schwänzen! Vom weltberühmten Barockkünstler R. im Nachbarstädtchen Z. mal ganz zu schweigen!

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