Die Liebe ist ein Pfeil, mitten ins Herz

Begab sich, dass die Staatsanwältin mir verriet, dass sie verheiratet ist. Mehr noch, sie liebe ihren Mann. Er sei ein netter Kerl ohne Bart, der so richtig Geld ranscheffelt und auf den man in jeder Situation vertrauen kann. Der Sandkasten verbinde sie. Das klang ziemlich ewig. Unerschütterlich. Weshalb ich mir Fragen stellte, welche Position nun ich einnehme. Ob ich wohl der komische verrückte Künstler bin, der das Leben mit mitternächtlichen Kastaniensammelorgien repariert, komische Namen erfindet und eine Spur Kerouac’scher Kaputtheit in ein ansonsten intaktes Leben spült?

Ich habe sie nicht gefragt, welche Position ich einnehme, weil mir die wahrscheinliche Wahrheit zu unerträglich schien: „Du bist Soap.“

Pure Unterhaltung.

Ich mag ihr Auto. Diese ungemeine Mobilität. Ich mag die Vorstellung, mit einer Frau durch die Nacht zu driften, für die 200 Kilometer so viel bedeuten wie für einen Santiago-Pilger ein kurzer Weg den Berg hinauf unweit des Kommunendorfes Matavenero. Außerdem, das hatte ich schon erwähnt, klingt ihre Stimme so brilliant, dass ich stundenlang mit ihr telefonieren könnte.

Aber die Liebe. Wo ist die Liebe?

Ich sage, sie ist überall und sie ist immer da zwischen den Menschen. Manchmal, dann, wenn sie erkaltet und sich die Menschen trennen, wird sie zu so einer Art Hass. Aber Hass ist auch nur eine Form der Liebe. Erkaltete Liebe eben. Ein Konstrukt willkürlich zusammengebackener Gefühle. Schwarz und blank poliert liegt der Hass im Bett der Gefühle. Aber im Grunde ist der Hass nur eine Form von kompensierter Liebe.

Was mich betrifft: natürlich liebe ich Nancy. Natürlich lodert noch immer dieses Gefühl für all die anderen, längst verbrauchten Menschen.

Und Hass? Hass ist der Schild, den man sich vors Herz hält, um den Pfeil der Liebe abzuwehren.

Autor: Irgendlink

Konzeptueller Reisekünstler, Artist in Motion, Appspressionist. Irgendlink nutzt mobile Technik in Vereinigung mit Servertechniken, um literarische, fotografische Kunstwerke zu kreieren.

3 Gedanken zu „Die Liebe ist ein Pfeil, mitten ins Herz“

    1. Mittlerweile erkläre ich mir das Weltgeschehen und auch das kleine eigene Leben eher so: es sind Abläufe, Prozesse wie in einem Programm. Fast so, wie Douglas Adams das in Per Anhalter durch die Galaxis formulierte: die Erde ein Computer.
      Wobei die Abläufe von Puffern umgeben sind und sie somit nie klar definiert sind. Eine Wahl zum Beispiel, die so oder so ausgehen kann, aber im Puffer herrscht Unschärfe, so dass sie, bevor gewählt wurde mehrere Ergenisse gleichzeitig hat, nach der Wahl aber nur eines übrig bleibt, aber alle immer gleichwahr waren.
      Ich hab aufgehört in Liebe und Hass zu denken. Es ist komplizierter, als im Artikel geschrieben.

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