QQlka, der Mann fürs Feine

Aus dem vorigen Eintrag kann man lesen, dass auch QQlka von Anfang an ein kreativer Mitstreiter in meinem zehn Jahre langen Lebenslabyrinth ist. Mit ihm gemeinsam habe ich den Kapschnitt, die erste Kunststraße der Welt gebaut.

Sie wäre vermutlich nie entstanden, wenn er nicht zeitgleich die feine Underground-Galerie Walpodenstraße 21 in Mainz gegründet hätte. In dem zweistöckigen, etwa 300 qm großen Kreuzgewölbe bot er dem Kapschnitt den nötigen Raum, sich zu entfalten. Zusammen schufen wir im November 1995 eine carerabahnähnliche Konstruktion, 80 cm hoch, 50 cm breit und 40 Meter lang, auf denen die 360 schwarz-weiß Fotos – pure Straßenansichten, aufgenommen in Abständen von 10 km zwischen Mainz und Alta unweit des Nordkaps – klebten.

Gestern Abend setzte ich die ersten drei Bildtafeln des Bliestallabyrinths. Ich habe unheimliche Angst, Fotos mit Sprühkleber aufzuziehen. Man muss sie millimetergenau positionieren. Eine falsche Klebung und die Bildtafel ist ruiniert. Beherzt legte ich die beiden ersten Fotos auf den Tisch, sprühte sie ein, klebte sie auf, kam ins Schleudern, zog sie wieder ab, positionierte sie neu. Beinahe laienhaft. Ich war überhaupt nicht zufrieden. Besudelte die Finger mit Kleber, verschmutzte die Vorderseite, was nicht tragisch ist, da man die Reste mit Spiritus abwaschen kann.

Der lange Weg, 540 von diesen Dingern aufzupappen würde auf diese Weise zur unendlichen Qual werden. An jedem Bild klebt Angst. QQlka beobachtete mich und riet: „Leg doch die Fotos auf ein Stück Holz, das etwas kleiner ist, als das Bild selbst. Dann kannst du sie besser aufnehmen und die Finger bleiben sauber.“

Mit diesem winzigen Tipp hat er den labyrinthischen Weg des Bilderklebens begradigt. Direkter Vorstoß ins Zentrum des Undenkbaren.

Innerhalb von zwei Stunden klebte ich drei Bildtafeln. Fertige Kunstwerke. Wir hängten sie an die Atelierwände und weideten uns am Anblick dessen, was seit Mai – seit Beginn der Idee, ein Labyrinth im Bliestal zu fotografieren – nur in den Köpfen existierte.

Liebe Nachwelt, solltest Du das jemals lesen: QQlka ist der Konautor vieler Kunststraßen. Ein fleißiger Ideengeber, Wegbereiter der Salonfähigkeit.

Was lehrt mich nun dies?

Es ist gut, Freunde zu haben.

Es ist gut, den Ratschlägen dieser Freunde zu folgen.

Nie sollte man sich als isoliert und alleine stehend sehen. Selbst wenn die Vorgänge unsichtbar bleiben wirkt eine Vielzahl, oft winzigster Impulse an dem Großen und Ganzen, was man womöglich nur dir zuschreibt.

Das gilt nicht nur für die Kunst. Das geht jedem so, auch Dir und Dir und Dir, sei es auch nur die Art wie Du deine Wände tapezierst oder deine CD-Sammlung in MP3s verwandelst oder einen Pullover strickst …

Noch heute wirkt das Wissen, das uns der Künstler und Bilderrahmer Bernhard „Comet“ Enste 1996 vermittelt hat in uns.

Autor: Irgendlink

Konzeptueller Reisekünstler, Artist in Motion, Appspressionist. Irgendlink nutzt mobile Technik in Vereinigung mit Servertechniken, um literarische, fotografische Kunstwerke zu kreieren.

2 Gedanken zu „QQlka, der Mann fürs Feine“

  1. Künstler und Bilderrahmer Bernhard “Comet” Enste wird am 08.08.08 60 Jahre jung! Die Feier mit allen Freundinnen und Freunden die kommen können findet bei der Useriner Mühle statt (bringt bitte was zu Trinken und was zu Essen mit). Näheres auch auf seiner neuen Homepage http://www.der-comet.de
    viele liebe Grüße

  2. Der Veranstaltungsort wurde – wer hätte beim Comet anderes erwartet – kurzfristig geändert. Die Geburtstagsfeier findet nun am 8.8.08 im KunstKonsum, Kunsthaus Tacheles, in der Oranienburger Straße in Berlin statt.

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