Entscheidungen

Betriebssystem verwechselt. Somit in den Webmodus gebootet und nicht, wie geplant, das Bildbearbeitungssystem. Kann ich auch kurz Mails rufen und ein paar Zeilen an dieser Stelle hinterlassen.

Wenn dieser PC hochfährt, ist das wie eine Weggabelung. So ähnlich wie vorgestern, als QQlka und ich den Weg hinauf zur Moschellandsburg suchten. Einheimische erklärten uns die Route vom Dorf Niedermoschel bis zur Burg: „Zur Bundesstraßenüberführung, an der Gabelung rechts, geradeaus bis zur Burgstraße.“

Die schlängelt sich schneckengleich um den Hügel.

Leider hatten die Einheimischen vergessen, eine weitere Gabelung zu erwähnen. Wir keuchten bis dahin. QQlka sagte links, ich war unschlüssig. Null plus links gibt Links. So keuchten wir weiter, bis sich der Weg im Nichts verlor. Der war also falsch. Als Radler gibt man ungern Höhenmeter anheim, also fabulierten wir ein Bild von Burgweg, welches sich nur wenige zwanzig Meter von unserer Position manifestieren könnte. Ackerten durchs Gebüsch. Nach 200 Metern standen wir vor einer Kuhweide. Ich überlegte, umzukehren, aber QQlka wuchtete die Räder über Stacheldraht, weiter in einer 100 Prozent Steigung (das ist ein Winkel von 45 Grad, man bewegt sich genauso schnell nach oben, wie vorwärts). Laune total im Keller. Ich dachte an den Splügenpass, Simplon und San Bernardino, Pas de La Casa in den Pyrenäen, sowie zahllose isländische Pässe, die ich einst per Rad erklommen habe. Nun soll es hier scheitern? In dieser namenlosen Einöde, weniger als 300 Meter über dem Meeresspiegel?

Menschen, die auf dem Berg wohnen, sterben im Tal.

Vollkommen außer Puste stützte ich mich aufs Rad. Vor mir lag ein riesiger Kuhfladen. QQlka versuchte mich zu motivieren: „Es ist der Kopf,“ sagte er, „es ist immer der Kopf, er nimmt dir die Kraft.“

Fluchend weiter. Von Westen Gewitter. Genug Zeit, um über Entscheidungen nachzudenken. Man kann lange an Kreuzungen in der Unbekanntheit dieser Welt stehen und überlegen, welcher Weg der richtige ist. Vorwärts kommt man dann nicht. Das gilt sogar für richtige Wege, wie unseren unterhalb der Moschellandsburg.

Ein ähnliches Problem hatte ich heute mit den Bildern des Bliestallabyrinths: sollen die Endergebnisse bunt, sepia oder schwarz-weiß werden? Die Kreuzung ist ein 3 Gigabyte-Ordner.

Werde nun das Betriebssystem wieder wechseln. Bei Betriebssystemen ist die körperliche Anstrengung nicht so drastisch. Gerne gibt man ein paar Höhenmeter preis.

Und:

Die Bilder werden bunt, zu zwei Dritteln im Normalmodus mit Sepia überlagert. Die Aktion ist schon geschrieben. Den Rest erledigt die Software. Die Entscheidung für die Rahmenfarbe kann nur Altrosa lauten.

Autor: Irgendlink

Konzeptueller Reisekünstler, Artist in Motion, Appspressionist. Irgendlink nutzt mobile Technik in Vereinigung mit Servertechniken, um literarische, fotografische Kunstwerke zu kreieren.

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