Wörschweiler Notizen

Gestern wieder Kunst „geschafft“. Das Bliestallabyrinth sieht aus wie ein Schmetterling. Die Galerie liegt am Kopfende. Das einsame Gehöft liegt am rechten Flügel. Am Linken Flügel befindet sich der dunkle Kirkeler Wald, steil und voller Felsen. Dort spritzt das Wasser aus dem Berg. Es gibt Höhlen und Bunker und Felsen und die Klosterruine Wörschweiler thront auf einer Kuppe über dem Bliestal. Vor einigen Jahren fürhte meine Hausstrecke mit dem Mountainbike über das Kloster durch den Wald bis zu den Sieben Fichten und zurück. Beim Radeln kommen mir oft gute Ideen. So entwickelte ich eine Geschichte, die „Wörschweiler Notizen“ heißen sollte. Sie handelte von einem Knecht im Mittelalter, der tagein tagaus, ein und die selbe Arbeit verrichten musste. Sein Tagesablauf war so streng gegliedert, dass selbst die geringste Abweichung davon das Verderben bedeutet hätte. In philosophisch konzentrischen Kreisen wollte ich den Weg, den ich bereiste, als Muster nehmen für die Vollendung modernen Lebens und daraus die Grundformel ableiten: „Lerne das Leben, schaffe dir deine eigene Realität, in der du dich auskennst und in der du dich wohl und geborgen fühlst und sodann laufe im Kreis … laufe einfach im Kreis.“

Die Hausstrecke ist eine Runde, die der moderne Mensch alltäglich absolviert, um seinen Körper fit zu halten. Manche joggen, andere fahren Rad oder nordicwalken. Das Geheimis der Hausstrecke ist, dass man ihre Länge ganz genau kennt. Man weiß wann wo welche Steigung auftritt und hinter welcher Kurve sich der Straßenbelag ändert. Tagein tagaus. Die Hausstrecke gibt einem Ruhe und Kraft und weil man genau weiß, was kommt, muss man auch keine Angst haben. Die Hausstrecke ist ein Muster, das sich durchs Leben zieht. Dieses Muster lässt sich auf fast alle Situationen anwenden. Die Arbeit und die Liebe zum Beispiel. Man ist stets bestrebt, Abläufe zu erforschen, und sie dann zu wiederholen.

Erstmals wurde mir dieses Prinzip bewusst, nachdem ich einen Urlaub im Süden verbracht hatte und es mich im nächsten Jahr genau an den selben Ort zog – warum? – weil es im Vorjahr so spannend war und weil ich, ein Jahr später, im fremden Süden angelangt, eine unheimliche Harmonie zu dem Ort empfand. Das Muster der Hausstrecke trifft auch auf die weitaus längere und seltener frequentierte Urlaubsstrecke.

Zurück ins Labyrinth. Ein gut Stück weit habe ich es in den Kirkeler Wald verlegt, nicht zu Letzt in der Hoffnung, dass ich mit den Fotos, die ich darin aufnehme in die hochauflösende Satelitenzone gelange (und somit das Projekt auch bei Mapquest oder Google-Maps verankern kann).

Und die Hausstrecke? Eines Tages im Herbst hatten Holzfäller im gesamten Wald dafür gesorgt, dass die Wege nur noch unter Qualen befahrbar waren.

Der Knecht? Es gibt eine historische Figur, die die Vorlage lieferte. Der Knecht wurde eines Tages geheißen, Schlangen, die im Klostermauern Wärme tankten zu verscheuchen. Dabei verursachte er einen Großbrand, der das Kloster und die umliegenden Hütten bis auf die Fundamente zertörte.

Autor: Irgendlink

Konzeptueller Reisekünstler, Artist in Motion, Appspressionist. Irgendlink nutzt mobile Technik in Vereinigung mit Servertechniken, um literarische, fotografische Kunstwerke zu kreieren.

3 Gedanken zu „Wörschweiler Notizen“

  1. Lieber Künstler Irgendlink.

    nur, falls Du es noch nicht bemerkt haben solltest: Google ist jetzt flächendeckend in Deutschland hochauflösend. Auch das einsame Gehöft. Und die Galerie. Und der Wald sowieso…

  2. Danke Jürgen.Nein ist nichts schlimmes und fast schon alles verheilt.Könnte man auch noch von anderen Dingen behaupten.Ich male in meinen freien Minuten sehr viel..dass hilft enorm.Vorallem hinter die Kulisse „lachende Nela“zu schaun.
    P.S Das Prinzip Hausstrecke kenne ich und habe ich auch.Ist es nicht schon wenn es noch Dinge gibt die sich kaum bis gar nicht verändern und man darf gewiss sein es ist auch noch da wenn wir nicht mehr da sind:).
    Liebe Grüsse Nela*

  3. :) hallo
    … schön! …
    nach mehreren tagen fange ich an mir sorgen zu machen, sollte sich dein labyrinth zu einem irrgarten entwickel haben in welchem du die strecken nicht freiwillig am wiederholen bist. :) noch ein gedanke ist, das ende der geschichte könnte sich an die vorlage anlehnen … wo brennts?
    lg
    a.

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