Vom Glauben oder: vom Mut, zu irren

Ist schon eine Weile her, da waren Kokolores und ich unterwegs im Wald auf der Suche nach einem sog. Multicache. Ein Multicache ist eine Art Schnitzeljagt mit GPS, bei der man mehrere Stationen erwandert und Rätsel löst, die einen zur nächsten Station führen. Nun begab es sich, dass wir in jener Gegend ortskundig waren.Kokolores zeigte mit dem Finger auf einen Felsen, noch ehe wir Rätselstation eins (von insgesamt drei) erreicht hatten: „Schau mal da, das ist bestimmt das Finale.“ Die letzte Station des Multicaches. Das Ziel! Da uns unsere Wanderung sowieso an dem Felsen vorbei führte, stocherten wir mit Stöcken mehr schlecht als recht, in den Ritzen. Man könnte sagen, halbherzig, lustlos, ohne jegliche Überzeugung. Nach einer Weile unbefriedigender Suche setzten wir unsere Schnitzeljagt fort und lösten sämtliche Stationen, und siehe, die vorletzte Station wies uns just zu dem Felsen zurück. Im zweiten Anlauf, mit der Sicherheit erwiesenen Wissens im Rücken, war es ein Leichtes, das Versteck zu finden und die Schnitzeljagd zu beenden.

Ich habe sehr lange und immer wieder über diese Begebenheit nachgedacht. Auf anschauliche Weise wird die Macht des Glaubens (und mit Glauben meine ich: etwas nicht Erwiesenes als Tatsache annehmen) demonstriert – oder vielmehr, in unserem Fall, wird die zerrüttete unsichere Existenz der Ungläubigen demonstriert. Wer festen Glaubens ist, erreicht sein Ziel schneller (wenn er nicht irrt), sei es auch nur eine Geocaching-Tour im Pfälzer Wald.

Autor: Irgendlink

Konzeptueller Reisekünstler, Artist in Motion, Appspressionist. Irgendlink nutzt mobile Technik in Vereinigung mit Servertechniken, um literarische, fotografische Kunstwerke zu kreieren.

Ein Gedanke zu „Vom Glauben oder: vom Mut, zu irren“

  1. Kennst Du diese Plastikdinger, die immer unweit der Reben im Wingert hängen?
    Das sind Pheromonfallen für Traubenschädlinge.
    Die Fallen senden etwas aus, was dem Schädling suggeriert „hier befindet sich ein williges Weibchen“, dieser fliegt dorthin und sucht das zu begattende Objekt seiner Begierde. Natürlich wird er nicht fündig, ist aber zu schwach, um woanders hinzukommen und einen realen Geschlechtspartner zu treffen.
    Bleiben Männchen von Weibchen fern, gibt es in der Regel keinen Nachwuchs (außer so eine Ausnahme an Weihnachten und einige im Tierreich..)
    Der menschliche Plan ging auf.

    Der Schädling war bestimmt auch sicher, richtig zu fliegen.
    Wer festen Glaubens am falschen Ort sucht, investiert unter Umständen zuviel Energie ohne Erfolg.
    Manchmal hat man Glück und manchmal eben nicht.
    Hätte kein Schnee gelegen,und hätten wir ein wenig mehr investiert, hätten wir den Cache sofort gefunden.
    Next time ..

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