Straße nach Gibraltar 006

anfang  (Bild, Link entfernt 2016-11-26)

Wo hätte ich gedacht, dass ich die zweite Nacht an der Mosel verbringen würde? Als Deutscher ist einem die Mosel als schlangenlinienförmiger Fluss in einem tiefen Tal bekannt. Der Wein, der an der Mosel produziert wird, hat den blumigen Geschmack von Schräglage und die Moselaner leben in Städten wie Traben-Trarbbach und Bernkastel-Kues. Auch ein, durchs amerikanische Fernsehen ungewollt berühmt gewordenes, Dorf namens Alf gibt es an der Mosel.

Und es gibt Bayon, Frankreich, ein kleines Städchen, welches einen Campingplatz besitzt. Dort stand mein Zelt vom 17. auf den 18. April 2000. Ich war einer der wenigen Gäste und teilte den Platz und das Waschhaus mit einer niederländischen und einer französischen Familie. Die Franzosen lebten in einem Wohnwagen, eine dicke Mutter mit ihren drei Kindern. Am Abend kam eines der Kinder herüber zum Zelt und reichte mir den Topf mit Spaghetti Bolognese, den sie übrig hatten. Ich war gerührt. ich war auch erstaunt. Sehe ich denn nach zwei Tagen Tour schon aus wie ein Bettler, der es nötig hat?

Im Intermarche von Luneville war ich wie ein wildes hungriges Tier durch die Regale gestreift. Süße Musik rieselte, unterbrochen von Eigenwerbung des Marktes,aus den Lautsprechern. Bei den überzuckerten Milchprodukten füllte ich meinen Korb, Stopover in der Fleischtheke, wo es mir winzige fette Würstchen namens Knackis angetan hatten, hinüber zu den Teigwaren, Gnocchi, und zu guter Letzt: Tomatensoße durfte nicht fehlen. Nassgeschwitzt und glücklich stand ich in einer langen Schlange bei der Kasse, dort, ganz vorne, wo sie dem Kunden das Letzte abfordern, indem sie ihm Schokoriegel, Kaugummie, Kinderspielzeug, die ganze Pallette unnützen Kleinkrams, den die westliche Zivilisation aufzubieten hat, direkt vor die Nase hielten. Spiesrutenlauf.

Dessen erinnerte ich mich, als das Kind mir den Topf vor die Nase hielt. Ich weiß nicht, was mich geritten hatte, war es dieses merkwürdige Gefühl, das man wohl nur dann hat, wenn man alleine unterwegs ist und niemand ist da, mit dem man mal ein paar Worte wecheseln, lächeln oder einen Witz erzählen könnte? in solchen Momenten sollte man dankbar sein, wenn sich einem ein Mensch zuwendet, sei es nur, weil er dir einen halb angefressenen Topf Nudeln überreicht. Ich ließ es mir schmecken, spülte den Topf fein säuberlich und amüsierte mich, als die Mutter den wirklich blitzeblank mit heißem wasser und Spülmittel und einem nagelneuen Schwamm gespülten Topf kurze Zeit später noch einmal spülte.

Autor: Irgendlink

Konzeptueller Reisekünstler, Artist in Motion, Appspressionist. Irgendlink nutzt mobile Technik in Vereinigung mit Servertechniken, um literarische, fotografische Kunstwerke zu kreieren.

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